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01 Dezember 2023

Heft 146 von tà katoptrizómena ist erschienen!

 Das Heft trägt den Titel

Kunst - Religion - Israel

und enthält folgende Beiträge

Editorial

VIEW

Der verborgene Gott und die Falten der Welt
Philippe Descolas Bildtheorie und einige notwendige Aufbrüche in der Theologie
Wolfgang Vögele [20 S.]

Staunen - Verstehen - Glauben
Bemerkungen zur theologisch-kunsthistorischen Führung im Museum
Wolfgang Vögele [24 S.]

Kunst und Religion
Plädoyer für eine Begegnung auf Augenhöhe
Andreas Mertin [16 S.]

✡ ISRAEL ✡

Bilderstreit oder: Der kleine Prinz im Nahostkonflikt
Israelkritik und Antisemitismus in aktuellen Karikaturen aus aller Welt
Andreas Mertin [32 S.]

Über Israel reden
Zwei Buchhinweise
Redaktion [2 S.]

Christen, Juden, Israel
Eine Collage von Kirchentexten aus aktuellem Anlass
Redaktion [8 S.]

"Es würde mich glücklich machen"
Israel, der Fotograf Max Jacoby und ein Essay von Heinrich Böll
Karin Wendt [8 S.]

Wir müssen sie beim Wort (und Bild) nehmen!
Gegen die grassierende Kultur der Unkultur in der Popkultur
Andreas Mertin [6 S.]

Meldung: Drittälteste Kirche der Welt beschädigt
Wenn Kunstzeitschriften zu Ideologieschleudern werden
Andreas Mertin [4 S.]

CAUSERIEN

Ein theologischer Kipppunkt zum Antijudaismus?
Gedanken über einen niedergeschriebenen, aber nicht ausgesprochenen Satz
Andreas Mertin [18 S.]

Ein bitteres Déjà-vu: Blindness and Insight II
Zwei unterschiedliche Rücktritte im Abstand von 13 Jahren
und warum sie dennoch miteinander zusammenhängen
Andreas Mertin [6 S.]

Nacht über der documenta
Ein Einwurf
Andreas Mertin [6 S.]

Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles! Ach wir Armen!
Geschichten von goldenen Momenten und helfenden Händen
Andreas Mertin [16 S.]

RE-VIEW

Unter Beteiligung
Buchhinweise
Redaktion [1 S.]

POST

Bilderflut: Die KI als Bildgenerator
Kleine Spielereien zur Entspannung
Andreas Mertin [10 S.]

THEOMAGBLOG

Was ich noch zu sagen hätte
Gesammelte Beiträge aus dem Theomag-Blog
Andreas Mertin [12 S.]

06 Januar 2017

Königliches

Dieric Bouts, Hl. Drei Könige, 1445


20 November 2016

Wertebildung

WELT-Meldung [17.11.2016]:
„Die vermutlich älteste bekannte Inschrift der Zehn Gebote auf Stein aus dem 4. Jahrhundert ist in Kalifornien versteigert worden. Das Höchstgebot lag am Mittwochabend bei 850.000 Dollar (794.500 Euro)“

SPIEGEL-Meldung [19.11.2016]:
„Eine Originalzeichnung von Tim und Struppi aus dem Album "Schritte auf dem Mond" ist in Paris für den Rekordpreis von 1,55 Millionen Euro versteigert worden.“

Ohne Kommentar.

27 August 2016

Unfassbar

In der FAZ erscheint am 24.8. in der Rubrik "Öffentliche Kunst"(!) ein Beitrag unter der Überschrift "Tyrannei der Beleidigten". Darin geht es darum, wie mit Objekten umgegangen werden soll, die andere Menschen wegen ihres Glaubens in unerträglicher Weise herabsetzen. Im vorliegenden Fall konkret um eine Petition, in der die Entfernung der so genannten "Judensau" von einer Wittenberger Kirche gefordert wird - eine Aktion, die seit langem überfällig ist. Die Verfasser der Petition fordern keinesfalls die Vernichtung der Skulptur, sondern ihre Thematisierung in ihrer Bedeutung und ihren Folgen in einem Museum. Das finde ich nachvollziehbar und unterstütze deshalb auch die Petition.

Der Kritiker an der Petition aus der FAZ wählt nun aber einen Zungenschlag, der unerträglich ist. Er vergleicht die Petition mit Bilderstürmern und auch mit den Aktionen der Taliban. Das ist absurd. Vor allem vergreift er sich im Ton. Man muss ja nur fragen, wer denn durch die 'Judensau' beleidigt wird, um den Sachgehalt der Titelaussage auf den Satz "Tyrannei der Juden" zuspitzen zu können. Da der Verfasser der Petition tatsächlich Jude ist, ist es schlichtweg antijudaistisch. Unfassbar.

05 August 2016

Islamistische Prophetie?


Kath.net meldet heute Folgendes: Der Islamische Staat (IS) hat in dieser Woche auf die Aussagen von Papst Franziskus zu Islam und Terror reagiert und via der eigenen Zeitung "Dabiq" die Aussagen von Franziskus, dass Muslime den Frieden wollen und die Handlung des IS wirtschaftlich motiviert sei, als naiv kritisiert. Dies berichtet die "Freie Welt" unter Berufung auf das US-Online-Magazin "Breitbart.com". 
     Nun wäre es für ein Nachrichtenportal relativ einfach, statt Aussagen von Dritten zu übernehmen, die sich auf Aussagen von Vierten über Aussagen von Fünften beziehen, selbst mal eben schnell zu recherchieren, ob das so Berichtete auch zutreffend ist. Dabiq, die Zeitschrift des Daesch ist im Internet leicht zugänglich. Und tatsächlich beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe 15 vorrangig mit dem Christentum. Das Heft ist Ende Juli erschienen. Schon das macht die Meldung, die Zeitschrift beziehe sich mit ihrer Stellungnahme auf eine Äußerung von Papst Franziskus, die dieser am 1. August getätigt hat, sehr unglaubwürdig. Es sei denn, man unterstellte den Autoren geradezu prophetische Qualitäten. Also ist der Teaser von kath.net und alle der neokonservativen Propagandisten a la Breitband oder Freie Welt schlichtweg falsch. 
     Richtig ist, dass in der aktuellen Ausgabe von Dabiq das Verhalten der verschiedenen Päpste zum Islam untersucht wird und dabei auch die Haltung von Franziskus besprochen wird. Aber die Stellungnahme ist etwas anders als man von den Teasern der Konservativen erwarten würde. Die Zeitschrift verweist zunächst auf die lange Tradition konfrontativer Begegnungen mit dem Islam durch verschiedene Päpste (bis hin zu Papst Benedikt). Das passt natürlich nahtlos in das Weltbild des Daesch. Probleme bekommen sie erst, seitdem mit Papst Franziskus ein Papst aufgetreten ist, der so gar nicht in das konfrontative Schema passt. Seine Freundlichkeit deuten sie nun als besonders subtile Art der konfrontativen Auseinandersetzung: “So while Benedict and many before him emphasized the enmity between the pagan Christians and monotheistic Muslims, Francis’ work is notably more subtle, steering clear of confrontational words that would oend those who falsely claim Islam, those apostates whom the Crusaders found played the perfect role for their infiltration into Muslim lands.” (Dabiq 15, S. 75) Im Gegensatz zu Benedikt “Francis continues to hide behind a deceptive veil of “good will,” covering his actual intentions of pacifying the Muslim nation. This is exemplified in Francis’ statement that “our respect for true followers of Islam should lead us to avoid hateful generalizations, for authentic Islam and the proper reading of the Quran are opposed to every form of violence” (The Joy of the Gospel). (Dabiq 15, S. 76) M.a.W. sie wittern in Papst Franziskus die wahre Gefahr. Das ist nun wirklich interessant. Unter der Hand erweisen sich so die konservativen Evangelikalen und die konservativen Katholiken als Verbündete im Geiste mit den Ideologen des Daesch. Denn alle haben ein erkennbares Interesse an einer Eskalation. 
     Diese Übereinstimmung wird noch an einer anderen Stelle deutlich, dort nämlich, wo sich der Daesch über die liberale Haltung des Papstes zu den Homosexuellen echauffiert. Bis in die Wortwahl stimmen hier Rechtskatholiken und Daesch-Ideologen überein. "Completely disregarding his own Church’s doctrine of judging homosexuals as immoral for engaging in the perverted act of sodomy, Francis has again sidestepped religion for the sake of public opinion." Der Daesch deutet diese liberale Haltung des Papstes als "part of the papal mission to garner any support possible, even from the likes of filthy, effeminate sodomites, in the crusade against the Muslim nation in general and the Islamic State in particular." Das ist natürlich ziemlich über die Bande gedacht, so kann nur denken, wer sich im Zentrum der Welt sieht. Jedenfalls sieht der Daesch den Papst nicht als naiven, nützlichen Idioten. Und deshalb werden auch die Gespräche, die Papst Franziskus mit den großen Vertretern des Islam führt, von den Ideologen des Daesch als reale Bedrohung wahrgenommen. "This is all part of a plan to demilitarize Islam or, to put it more correctly, to remove the clearly Quran- and Sunnah-based duty of waging jihad against pagans until all the world is ruled by the Shari’ah." Vielleicht sollten die Macher von kath.net und idea wirklich mehr in Dabiq lesen, um zu erkennen, dass in Wirklichkeit sie es sind, die als nützliche Idioten des Daesch deren Eskalationsstrategie befeuern.

28 Juli 2016

Fremde(s) aushalten

Detmers, Achim; Dreßler, Sabine (Hg.) (2016): Fremde(s) aushalten. Migration und Aggression in Europa. Solingen: foedus (Texte zur reformierten Theologie und Kirche, 1).

In den Ruinen der Großen Kirche von Emden, einem herrlichen Gebäude im gotischen Stil, das durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, ist in den 1990er Jahren eine Spezialbibliothek für reformierte Theologie und Geschichte entstanden. Im Laufe der Jahre ist die Johannes a Lasco Bibliothek zu einem beliebten Konferenzort sowie zu einem anerkannten Kunst- und Kulturforum geworden. An diesem besonderen Ort fand vom 17. bis 19. Februar 2016 eine internationale Konferenz zu „Migration und Aggression in Europa“ auf Einladung des Reformierten Bundes und des europäischen Gebietes der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen statt.

Der vorliegende Band dokumentiert ausgewählte Beiträge der Tagung und enthält Texte von Achim Detmers, Robert Vosloo, Susanne Lachenicht, Andreas Mertin und Martina Wasserloo-Strunk.

06 Januar 2016

Heilige Drei Könige

Heilige drei Könige
Reliquiar Anfang 5. Jh.

Sternsingeraktion 2016 (Infos)

01 November 2014

Religion und Kirche

"Religion existiert nur noch partiell als selbstverständliches Symbolsystem. Der Graubereich des Unausgesprochenen, Unaussprechbaren ist heute größer als in früheren Epochen. Und gerade deshalb müssen wir uns einen Reim darauf machen. Es ist unverantwortlich, wenn Dogmatik und Kirche darüber einfach hinweggehen." Ulrich Barth im Interview der FAZ

Das ganze Interview hier.

Weitere Schriften von Ulrich Barth:

29 Oktober 2014

Keine Religion außerhalb der Kirche?

Im aktuellen Pfarrerblatt habe ich einen interessanten Aufsatz von Georg Raatz gefunden, der sich mit den Deutungen und der Bedeutung der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche beschäftigt. Sie war ja unter dem Stichwort "religiöse Indifferenz" vermarktet worden und wurde stellenweise als "Ende des liberalen Paradigmas" gedeutet. Raatz geht dieser Deutung nach und stellt sie mit guten Argumenten in Frage.

Der Text von Georg Raatz "Zwischen Entdifferenzierung und Selbstimmunisierung" lässt sich online abrufen.

02 Oktober 2014

Protestantismus und Bild

Wenn in einer Broschüre zum Thema Bibel und Bild vier Mal Leni Riefenstahl, drei Mal Gustav Dore und kein Mal Ernst Barlach, Joseph Beuys, Andy Warhol, Marc Roth­ko oder Barnett Newman, geschweige denn Bruce Naumann, Gerhard Richter, John Baldessari, Cindy Sherman, Lawrence Weiner oder Sol LeWitt vorkommen, allenfalls ein in einer Kirche platziertes Werk von Anish Kapoor (und dann nicht einmal das aus der Dresdner Frauenkirche) – dann befinden wir uns im Herzen des Protestantismus 2015. Einer kunst- und bild-analphabetischen Religion – zumindest was seine Funktionärskaste angeht. Wenn statt eines Künstlers ein künstlerisch-tätiger Theologieprofessor, statt wirklicher Kunst ein Designbüro für die Kunst einsteht, dann merkt man, dass der Protestantismus in Sachen Bild seit Luther nichts dazu gelernt hat. Noch immer herrscht unter seinen Funktionären (von wenigen Ausnahmen wie Ralf Meister abgesehen) eine unmittelbare Verdinglichung der Kunst, eine Ingebrauchnahme der Bilder wie sie instrumenteller kaum gedacht werden kann. 
     „Bilder veranschaulichen die Zentralität Christi oder die Bedeutung der Predigt für die Gemeinde“ (Ratsvorsitzender Schneider) – darauf wird es wohl hinauslaufen. Es ist diese narzisstische Verliebtheit des Protestantismus in den Wortfetischismus, die einem den Atem raubt. Und auch die alte Erfahrung aus Pfarrerfortbildungen schlägt voll durch: der evangelische Pfarrer oder Professor kann alles selber und besser: malen, dichten, schriftstellern, musizieren. Den Differenzierungsgewinn der Moderne verachtet er, Autonomie ist ihm ein Gräuel. Und deshalb ist der Protestantismus auch so mittelmäßig. Aber man könnte es auch ehrlich nennen. 
     Das Titelbild der erwähnten Broschüre ziert ein grau-weißes Kreuz auf weißem Hintergrund, das in einem Pinsel endet. Banaler geht es nicht. Da lobe ich mir die Kunst der Gegenreformation, die protestantischer als der Protestantismus heute jemals sein kann, nach dem Verhältnis des Einzelnen zum Bild fragt, und auf deren Bildern Christus dezentriert platziert ist und der Betrachter in Gestalt des Malers ins Bild drängt. Und deshalb lautet mein Motto für heute: Zurbaran statt Cranach!

21 August 2014

Zur Geschichte der Barbarei II

Durch einen traditionalistischen Blog werde ich heute auf Isabella I. von Kastilien aufmerksam gemacht, von der die Traditionalisten hoffen, sie würde einmal heiliggesprochen. Wenn man sich fragt, warum, dann lautet die simple Antwort: weil sie zur Geschichte der Barbarei gehört, der gnadenlosen Verfolgung von Juden und Mauren.

"Auf Basis der 1478 von Papst Sixtus IV. erlassenen päpstlichen Bulle Exigit sincerae devotionis führten Isabella und Ferdinand die Inquisition in ihrem Reich ein. 1488 schufen sie den Consejo de la Suprema y General Inquisición. Überwiegend richtete sich die Inquisition gegen zum Christentum konvertierte Juden, die sogenannten Marranen, die verdächtigt wurden, insgeheim noch ihrem früheren Glauben anzuhängen. Mehr als die Hälfte, in Guadalupe etwa mehr als drei Viertel, aller so Angeklagten wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Eroberung des Emirats von Granada im Januar 1492 bildete den Endpunkt der „Reconquista“ und damit der rund 700 Jahre dauernden Präsenz der Mauren in weiten Teilen der iberischen Halbinsel. In der Folge gingen Ferdinand und Isabella mit großer Brutalität gegen Juden und Muslime vor. Mit dem Alhambra-Edikt vom 31. März 1492 wurden alle Juden im Herrschaftsgebiet von Isabella und Ferdinand (Sephardim) gezwungen, entweder zum Christentum überzutreten oder das Land zu verlassen. Papst Alexander VI. verlieh dem Ehepaar 1494 den Titel der reyes católicos (Katholische Könige). 1502 folgte die Ausweisung der noch verbliebenen Muslime, was einen weiteren wirtschaftlichen und künstlerischen Aderlass bedeutete." [wikipedia]

10 Januar 2014

Akzeptanz sexueller Vielfalt

Aus Anlass der beschämenden Stellungnahme der Kirchen Baden-Württembergs gegen die Förderung der Akzeptanz sexueller Vielfalt sei an ein Video von Madonna erinnert, in dem sie an das Schicksal homosexueller Kinder erinnert, die sich aus Angst vor der Nichtakzeptanz ihren sexuellen Identität umgebracht haben.

05 Januar 2014

Epiphanias

Giotto, Anbetung durch die Weisen, 
1394-06, Fresko, 200x185 cm in der Cappella degli Scrovegni, Padua 
(mit Darstellung des Halleyschen Kometen)

18 Dezember 2013

Zur Aktualität von Lukas 18, 9-14

Gerade las ich im Leserforum der FAZ folgendes Statement eines traditionalistischen Katoliken zu den drohenden Veränderungen seiner Kirche: "Wer eine 'Kirche' will, in der Schwule vor den Traualtar treten, in denen Ehebrecher das Allerheiligste empfangen dürfen und in dem die Schafe bestimmen, in welche Auen sie vom Hirten (Pastor) geführt werden wollen, soll sich eine andere 'Kirche' suchen. Ich lasse mir jedenfalls nicht von irgendwelchen Dahergelaufenen meine Kirche weg nehmen! Weder von Schwulen, noch von Ehebrechern und auch nicht von Leuten, die abtreiben lassen oder künstliche Verhütungsmittel nehmen."

Das könnte einen glatt zu einer Neuformulierung Lukas 18, 9-14 führen:
"Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, dass sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in die Kirche, zu beten, einer ein Traditionalist, der andere ein Sünder. Der Traditionalist stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Sünder. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe. Und der Sünder stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden."

20 Juli 2013

Kunst und Religion

Zitat des Tages von Bazon Brock: "Nachdem der Kunstmarkt die Kunstkritik endgültig übernommen hat, retten sich marktlose Künstler scharenweise in die Arme von Kultur und Religion. Damit geht die Prognose vom Ende der Kunst in Erfüllung. 600 Jahre Kampf um die Autonomie der Kunst werden unter den Abermilliarden Dollar begraben, mit denen die Herren der Finanzwelt sogar den lieben Gott zu bestechen versuchten. Geld macht Glauben an den Wert der Kunst - Glauben macht Kunst zu Kultur."

15 Juli 2013

Religiöser Katastrophentourismus

Für manche Zeitgenossen findet die theologische Apokalypse beinahe tagtäglich statt. Irgendwo sagt einer was ganz Normales wie „Auch Frauen können ordiniert werden“ (1927 / 1958) oder „Jetzt wählen wir eine Frau zur Bischöfin“ (1992) oder „Jetzt lassen wir die Hochzeit gleichgeschlechtlicher Paare zu“ (2005) und schon geht wieder die Welt unter ... und wieder .... und wieder ... und wieder. Muss irgendwie Spaß machen dieser theologische und innerkirchliche Katastrophentourismus. Seitdem ich mich mit Fragen der Theologie beschäftige, gehört der Tübinger Missionswissenschaftler Peter Beyerhaus zu dieser Gattung der theologischen Apokalypseverkünder. Wann immer jemand etwas sagt, was jenseits des lutherischen Minimalkonsenses liegt und nicht den Geruch des Wertekonservativen hat, kann man sicher sein, dass Beyerhaus mit apokalyptischen Warnungen auftritt. Das muss bei ihm wie ein pawlowscher Reflex sein, darin seinen Gesinnungsgenossen von der evangelikalen Bekenntnisfront nicht unähnlich. Frauenordination? Igittigitt! Wahl einer Bischöfin? Eine "der schwersten geistlichen Katastrophen"! Zulassung gleichgeschlechtlicher Paare zur Hochzeit? „Eine aktuelle sittliche Gefahr“ und ein „moralischer Flurschaden“, der einen sofortigen Rücktritt des Ratsvorsitzenden der EKD nach sich ziehen müsse. Was für ein autoritätsfixierter Müll.

Und die dazu passende apokalyptische Drohung: Sonst werde man katholisch! Na, hoffentlich, denkt man sich da und weiß doch, er und seine Gesinnungsgenossen tun es nicht, sonst entfiele die Grundlage für den heiß geliebten theologischen Katastrophentourismus. Dass die Kirche Paul Tillichs und Richard Niebuhrs, die United Church of Christ, bereits 2005 die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare zugelassen hat, ohne dass bisher erkennbar die Welt im Stil von Sodom und Gomorra untergegangen ist, verwundert angesichts derartiger katastrophischer Rhetorik. Nun kann man durch den Blick auf die scheinbare Katastrophe auch erstarren, so sehr, dass man zur Salzsäule wird. Statt aufzubrechen und die Welt zu gestalten, erfreut man sich an den eigenen Weltuntergangsphantasien. Wieder ... und wieder ... und wieder.

Noch fataler erscheint mir aber die geradezu totalitäre Sprache: „Sind Sie unter dem Eindruck des durch das EKD-Papier und Sie selber entfesselten Sturms bereit, eigene Fehlorientierung einzugestehen und sich angesichts der Heiligkeit Gottes – möglichst gemeinsam mit dem gesamten Rat der EKD – von ihm zu distanzieren?“ So spricht der Großinquisitor im Auftrag des Heiligen Geistes. Ratsvorsitzender Schneider soll eigene Fehlorientierung eingestehen? Diese Tonlage finde ich so unverschämt und beleidigend, dass ich mich frage, ob Beyerhaus noch alle Tassen im Schrank hat. Selbst die katholische Kirche hat die Inquisition längst abgeschafft. Auf die beyerhaussche Wiedervorlage kann ich gut und gerne verzichten.

Hirtenwort

Wie viel Bildung darf man von Bundespolitikern erwarten? Von den so genannten Spitzenkandidaten der Parteien, die von uns als Wählerinnen und Wähler erwarten, dass wir am Wahltag unserer Kreuzchen bei ihrer Partei bzw. ihrer Person machen? Man kann davon ausgehen, dass, wenn man heute ein Interview mit einem derartigen Spitzenpolitiker liest, nichts Unüberlegtes publiziert wird, sondern dass das Interview vor der Veröffentlichung gegengelesen und freigegeben wurde. Am heutigen Montag erscheint nach diversen Vorankündigungen durch Nachrichtenagenturen ein Interview von einem der beiden Spitzenkandidaten der Grünen mit Spiegel online. Jürgen Trittin sucht aus der offenkundigen Schwäche der Bundesregierung in der NSA-Affäre Kapital zu schlagen, um die Wähler für die eigene Partei zu mobilisieren. Und so polemisiert er heftig herum, wirft der Koalition vor, zu „agieren wie die drei Affen - nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.“ Und die Justizministerin, die in dieser Frage eher auf Seiten der Grünen agiert, nennt er einen Papagei, der immer dazwischen plappert. Und was wirft er der Bundesregierung vor? Vor allem Untätigkeit. Und dann kommt folgender Satz: 

„Da erwarte ich von der Bundesregierung ein Engagement. Stattdessen scheint sie auf alttestamentarische Art die andere Wange auch noch hinzuhalten.“

Dieser Satz ist auf so viele Arten verstörend, dass man gar nicht weiß, womit man anfangen soll. Darf ich von einem Spitzenpolitiker Deutschlands erwarten, dass er weiß, wo in der Bibel die Bergpredigt steht? Dass er das Zitat „Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar“ richtig einordnen kann? Selbstverständlich greift Matthäus 5, 38 auch einen Vers aus der hebräischen Bibel auf. In Sprüche 20, 22 heißt es: „Sprich nicht: «Ich will Böses vergelten!» Harre des HERRN, der wird dir helfen.“ Aber die Formulierung mit der Wange ist – das gehörte einmal zum Bildungsbestand – einer der berühmtesten Sätze Jesu. Die antijudaistische Formulierung „alttestamentarische Art“ ist man ja inzwischen von Politikern gewohnt, neu ist, dass Trittin sie um von ihrem ursprünglichen denunziatorischen Kontext (das missverstandene „Auge um Auge, Zahn um Zahn“) löst und sie unter Beibehaltung des pejorativen Akzents mit einer gegenteiligen Aussage verbindet. Nun soll plötzlich die Feindesliebe etwas Schlechtes, eben „nach alttestamentlicher Art“ sein. Interessant ist auch gerade bei dieser Partei, dass Trittin die Gewaltlosigkeit, um die es in diesem Vers geht, nun als Inaktivität auslegt. Als hätten nicht Jahrzehnte des gewaltlosen Widerstands gezeigt, dass diese Art der paradoxen Intervention außerordentlich effektiv ist. Aber sei‘s drum. Ich frage mich seit heute, ob ich ernsthaft eine Partei für die Wahl in Betracht ziehen kann, deren Repräsentant a) von paradoxen Interventionen nichts versteht und deshalb b) den Verzicht auf Rachegedanken als mangelndes Engagement brandmarkt, dazu noch c) antijudaistische Klischees verbreitet, weil er d) nicht einmal weiß, wo die Bergpredigt zu verorten ist. Kultur nenne ich etwas Anderes. Nicht, dass es bei den Politikern anderer Parteien besser aussähe. Aber das hilft mir auch nicht. Ganz im Gegenteil.

[Update 12:00; 15.07.2013] Es hat gerade einmal 3 Stunden gedauert, dann wurde das Interview korrigiert. Nun heißt es an der betreffenden Stelle: "Da erwarte ich von der Bundesregierung ein Engagement. Stattdessen scheint sie die andere Wange auch noch hinzuhalten." Besser wäre es gewesen, Trittin hätte entweder das Missverständliche gar nicht erst gesagt oder es vor Veröffentlichung des Interviews korrigiert. Aber immerhin erweist sich Trittin in einem Punkt als lernfähig. Es scheint aber das "Wange hinhalten" immer noch für einen Fehler zu halten.

11 Juli 2013

Die Feinde der offenen Gesellschaft

Man kann der EKD nur dankbar sein, dass sie ihre Orientierungshilfe so dezidiert formuliert und zur Diskussion gestellt hat. Zumindest eines wurde damit erreicht: die Feinde einer offenen und freien Gesellschaft fühlen sich provoziert.

Ein bestimmter konservativer Teil der katholischen Kirche versteht Katholizismus seit einigen Jahren weniger als Bekenntnis zu Jesus Christus, als vielmehr als ideologische Motivation zur Verfolgung von Homosexuellen. Kreuz.net war da nur die Spitze des Eisberges. Wie verbreitet die Verachtung von Homosexuellen ist, kann man auf kath.net oder katholisches.info nachlesen, wo Evangelische schon gerne mal als ‚Protestunten‘ bezeichnet werden. Nun ist es mir ganz egal, wie die Katholische Kirche und manche ihrer Zirkel ihr Verhältnis zur Homosexualität bestimmen – solange das nur die Katholiken betrifft. Das müssen sie unter sich ausmachen. Wenn es ihnen gefällt, Gott so zu denken, dass dieser die sexuelle Identität mancher Menschen grundsätzlich ablehnt – bitte schön, wer das glauben mag. Mein Gottesbild ist ein anderes.

Was wir als Teil der offenen Gesellschaft aber nicht tolerieren sollten, ist der Versuch einer konservativ-katholischen Domestizierung unserer Lebenswelt. Nur weil manche Katholiken ein Problem mit Homosexualität und eben auch mit Homosexuellen haben, muss der Rest der Gesellschaft nicht darunter leiden. Geht man davon aus, dass selbst in der katholischen Kirche die Homosexuellen-Phobie nur eine minoritäre Position ist, dann erleben wir gerade, wie eine aggressive kleine Minderheit weltweit die Menschenrechte – und hier meine ich das Menschenrecht der Homosexuellen auf Gleichbehandlung – einzuschränken sucht. Ich sehe in diesem Sinne das Forum Deutscher Katholiken als Feind einer offenen und freien Gesellschaft. Dass ausgerechnet ein Vertreter dieses Forums sich gegen die EKD auf die Falsifizierungsthese von Karl Popper beruft ist wirklich eine Beleidigung des kritischen Rationalismus und lässt fragen, ob der Betreffende begriffen hat, was diese These besagt. Karl Popper ist ein dezidierter Vertreter einer offenen Gesellschaft und damit ein Kritiker dessen, was der konservative Katholizismus mit seiner Ausgrenzung der Homosexuellen intendiert. Deshalb war für Popper die strikte religiöse Neutralität der Gesellschaft wichtig.

Dass konservative Vertreter der katholischen Kirche im Konzert mit Vertretern der Evangelikalen nun ernsthaft meinen, der Evangelischen Kirche vorwerfen zu müssen, diese halte sich nicht an Schrift und Bekenntnis, ist lachhaft. Da würde ich doch vorschlagen, lieber gründlich vor der eigenen Tür zu kehren.

Warum aber diese panikartigen Attacken auf ein Papier der EKD? Der konservative Katholizismus erkennt, dass er mit seinen Positionen in unserer freien Gesellschaft keine Rolle mehr spielt. Nicht einmal die Katholiken selbst halten sich an katholische Regeln zur Sexualmoral – weder in Sachen Kondomgebrauch, vorehelicher Geschlechtsverkehr, Scheidung usw. Dieses ganze Gebäude der Identifizierung von Religion mit Moral ist in sich zusammengestürzt. Selbst die CDU hat erkannt, dass dieser Konnex uns nicht weiterbringt. Da aber nicht sein kann, was nicht sein darf, wird nun alles niedergemacht, was andere Positionen vertritt. Und es reicht offenkundig nicht zu sagen, ich denke anders, sondern man muss dem anderen auch noch grundsätzlich seine Position bestreiten. Helfen wird das den konservativen Katholiken aber auch nicht: Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.

08 Juli 2013

Resonanzen zum Familienpapier

Der Streit um das Familienpapier der EKD ist in vielerlei Hinsicht bizarr. Im Wesentlichen kritisieren Menschen außerhalb der EKD das Papier. Dass Funktionäre einer Splittergruppe, die nicht einmal Abendmahlsgemeinschaft mit der EKD hat, meinen, sich abwertend zu einem Orientierungspapier der EKD äußern zu müssen, ist schon ein starkes Stück. Nichts spricht dagegen, dass die SELK ihre eigene Position zur Ehe darlegt. Das ist ihr Recht. Aber es hat keine Bedeutung für den Bereich der EKD. Die SELK vertritt in ganz Deutschland mit 34.000 Gläubigen weniger Menschen als der Superintendent meiner Heimatstadt (der Kirchenkreis Hagen hat 78.000 evangelische Christen). Aber die SELK meint, sich in die religiösen Belange der EKD einmischen und sie belehren zu können. Das ist schon dreist.

Aber auch das Dialog-Verständnis der katholischen Kirche will mir nicht recht einleuchten. Das EKD-Papier erschwere die Ökumene. Warum? Weil es eine andere theologische Position vertritt? Wenn wir übereinstimmen, brauchen wir keinen Dialog. Dialoge leben davon, dass andere differente Ansichten haben, über die man sich austauscht.

Nun ist es das Bemerkenswerte am EKD-Papier, dass es Positionen artikuliert, die seit Jahren im Protestantismus und unter Theologen selbstverständlich sind, ja die bereits in die Standard-Lexika aufgenommen wurden. Vielleicht ist es aber so, dass diese Positionen zwar im Kopf angekommen sind, aber nicht im Herzen und in der Lebenswirklichkeit? Die EKD sollte also aus der Diskussion um das Familienpapier eine Tugend machen und die Position des Protestantismus noch einmal klar akzentuieren. Dazu würden dann Sätze wie die Folgenden gehören:

„Von der Ehe als ‚göttlicher Schöpfungsordnung‘ zu sprechen, hält der kritischen theologischen Nachfrage nicht stand ... Eine religiöse Verabsolutierung der Ehe findet sich in der Bibel nicht. Die christlich-ethischen Auffassungen zu Bedeutung und Inhalt der Ehe haben sich zudem als besonders zeitbedingt und ideologieanfällig erwiesen ... Es ist deswegen aus der Sicht christlicher Ethik richtig, für die rechtliche Anerkennung nicht-ehelicher Lebensgemeinschaften einzutreten, um die verbindliche Gemeinschaft auch jenseits traditioneller Lebensformen zu fördern. Der Leitbildcharakter der Ehe muss keineswegs mit der Abwertung nicht-ehelicher Lebensformen  verbunden werden.“ (Heinrich Bedford-Strohm, Artikel Ehe, Taschenlexikon Religion und Theologie, Göttingen 5/2008).

Heinrich Bedford-Strohm (heute Bischof der bayerischen Landeskirche und damit Vertreter von 2,5 Millionen evangelischen Christen) zieht daraus den Schluss, es gehe künftig darum, eine „Kultur der Verbindlichkeit“ zu pflegen. Das Familienpapier der EKD steht, soweit ich es sehe, in dieser Tradition der Kultivierung von Verbindlichkeit.

Und es gibt keinen Grund, hier auch nur einen Schritt zurückzutreten. Ganz im Gegenteil, wir müssen es noch viel lauter sagen:

„Dass den Menschen von Gott quer zu den Geschlechtergrenzen ganz unterschiedliche Begabungen und Talente geschenkt werden (1. Kor 12), hat Folgen für die Gestaltung von Partnerschaft und Familie. Nicht traditionelle biologische oder gesellschaftliche Rollenzuschreibungen können Grundlage der Organisation familiären Zusammenlebens sein, sondern die Form solchen Zusammenlebens muss in wechselseitigem Konsens je nach Präferenz und Begabung partnerschaftlich vereinbart werden.“ (Ebenda)

21 Juni 2013

Zeitgeist II

Nun hat auch der Spiegel, bestens ausgewiesenes Medium zur Verteidigung der Religionskultur, zumindest auf seiner Online-Ausgabe zum Familienpapier der EKD Stellung bezogen. Unter der Überschrift „Scheidung leichtgemacht“ bemüht sich Jan Fleischhauer nach Kräften, sich lächerlich zu machen. Man merkt gleich am Anfang, dass Fleischhauer offenbar seit Jahren nicht mehr auf einer evangelischen Hochzeit war. Um den Satz „Bis dass der Tod euch scheidet“ von der Agenda evangelischer Trauzeremonien zu nehmen, bedurfte es gewiss nicht eines Familienpapiers der EKD. Derartiges wurde schon lange im Traugespräch mit dem Paar abgesprochen.

Aber Fleischhauer nimmt es nicht so genau mit den Fakten. Die EKD hat ganz sicher nicht eine Orientierungshilfe zur Familienfrage für ihre Würdenträger herausgegeben. Zum einen dürfte die EKD als Verwaltungseinheit das gar nicht, das läge in der Hand der einzelnen Landeskirchen. Zum anderen sind die Pfarrerinnen und Pfarrer nach evangelischem Verständnis gar keine Würdenträger. Da muss sich Fleischhauer schon nach Rom wenden. Aber Fleischhauer wiederholt nur die ganz und gar vom Denken befreite Formel „Die Evangelischen sind nicht katholisch“. So ein Schreck aber auch. Ja, der Protestantismus ist die Religion, die das Selbstbestimmungsrecht des Individuums seit 500 Jahren konsequent gefördert hat – aus theologischen Gründen. Die merkwürdige Idee, dass das evangelische Subjekt einer übergeordneten Institution bedürfe, die ihm in religiöser Perspektive sagt, wo es lang geht, ist seit Jahrhunderten Makulatur der Religionsgeschichte. Sapere aude! kann man da nur sagen.

Dass Fleischhauer in seiner ressentimentgeladenen Kolumne auch noch schnell den antijudaistischen Sprachgebrauch „alttestamentarisch“ pflegt (Da wird selbst der sanfte Nikolaus Schneider, der Käßmann im Amt des EKD-Ratsvorsitzenden nachfolgte, ganz alttestamentarisch), verwundert kaum. Ja, die Juden waren immer schon ausfallend und zornig und die Evangelischen machen es ihnen in Fragen der Wirtschaftsethik nach. Die politischen Zuordnungen, die Fleischhauer vornimmt, sind ebenso lächerlich. Da wird sich Günter Beckstein aber wundern, dass er jahrelang Vizepräses der Synode der Kirche der Grünen war. Wie kann man nur auf so wenigen Zeilen so viel Unsinn schreiben?

Mir würde es aber reichen, wenn Fleischhauer nur eine einzige Predigt der letzten 500 Jahre benennt, mit der er – wie er so schön schreibt – „verlässlich“ Auskunft darüber bekommen könnte, was jenseits des Diesseits passiert. Denn er möchte von evangelischen ‚Würdenträgern‘ verlässlich Näheres über Himmel und Hölle erfahren. Da kann er lange warten. Kein Mensch dieser Welt kann ihm da helfen, selbst Visionen und Erscheinungen bieten keine „verlässliche“ Grundlage – da muss er schon selbst glauben. Schickt er deshalb seine Kinder in die Kirche, damit sie statt von der Rechtfertigungslehre und der vorausgehenden Gnade Gottes etwas über die Hölle erfahren? Dann sollte er die Konfession wechseln. Die Katholiken behaupten wenigstens ab und an, sie wüssten über die Hölle Bescheid.