24 August 2016

Berliner Luther-Posse



Das Luthertum kann seit seinen Anfängen ohne Luther-Spiegelungen nicht leben. Kaum eine Religion hat einen derartigen personalen Narzissmus entwickelt, wie gerade diese Konfession. Das beginnt schon mit Lukas Cranach und setzt sich über die Jahrhunderte fort. Es muss ein tief sitzendes lutherisches Bedürfnis nach Heldenfiguren geben, so dass von Generation zu Generation fortschreitend neue Luther-Denkmäler entworfen werden. Die neueste Posse ist nun das geplante Luther-Denkmal in Berlin. Man kann sich fragen, warum man 2017 überhaupt ein weiteres Luther-Denkmal braucht und gerät bei der Antwort sofort in eine interessante Gemengelage der Verquickung von Thron und Altar. Die Stadt hat ein Interesse an der Gestaltung der öffentlichen Räume, die Kirche möchte sich angemessen repräsentiert sehen. Dürfte die Kirche allein darüber entscheiden, wäre es wieder einer aus der Liste der ‚Gottbegnadeten‘ geworden. Jedes kirchliche Bauamt verfügt über eine derartige Liste, auf der bewährte Kunstschaffende stehen, die die Landeskirchen landauf-, landab beglücken, sonst aber im Betriebssystem Kunst mit Schweigen bedacht werden. Ausnahmen gibt es allenfalls dort, wo ein Mäzen die Finger mit im Spiel hat. Einen Mäzen gibt es auch im aktuellen Fall, denn das geplante Luther-Denkmal an der Berliner Marienkirche unter dem Funkturm konnte nur mit Unterstützung der Stadt angegangen werden – die zudem den öffentlichen Raum zur Verfügung stellte. Und die natürlich im Gegenzug auf einer mit Fachleuten besetzte Jury bestand. Wer jemals in einer solchen kirchlichen Kunst-Jury gesessen hat, weiß wie das abläuft. Die dort angelegten Kriterien könnten gegensätzlicher nicht sein. Die einen interessieren sich schlichtweg nicht für Kunst, allenfalls haben sie Geschmack (aber eher selten) und achten nur auf die Illustration des von ihnen Intendierten. Die anderen haben wenig Interesse an religiösen oder theologischen Fragestellungen, sondern schwimmen im Kunstsystem und urteilen nach dessen Kriterien. Das ist ein Ergebnis des über Jahrhunderte sich immer breiter auftuenden Grabens von Kunst und Kirche. Und dann kommt es, wie es kommen muss. Man einigt sich auf eine engere Auswahl von sechs, später dann vier Entwürfen. Und schlussendlich setzt sich ein Entwurf als prämierter durch. Das ist so, man kann in diesen Jurysitzungen mal zu den Gewinnern gehören, mal zu den Verlierern. Damit muss man leben. Nicht so im Protestantismus. Denn Luther gehört ja uns Protestanten. Und man hat ja schließlich noch die Liste der der Kirche kommoden Künstlerinnen und Künstler. Könnte man sich nicht an allen vernünftigen Kriterien vorbei mogeln und den Kirchenkünstler doch das Denkmal realisieren lassen? Hier atmet man noch etwas von der Luft des Feudalismus, bei dem Experten auch nur Ratgeber waren und der (Kirchen-)Fürst entschied. Im vorliegenden Fall setzte sich ein Entwurf durch, den man als ästhetisch-kulturell-künstlerisch reflektiert im besten Sinne nennen kann. Er ist nicht nur architektonisch von allen eingereichten Entwürfen der durchdachteste, sondern bringt auch das für Berlin notwendige Maß an künstlerischer Ironie mit. Albert Weis, der Künstler, der von der Jury ausgezeichnet wurde, hat die historische Lutherfigur genommen, sie in Zusammenarbeit mit den Architekten Zeller & Moye moderat, aber wahrnehmbar depotenziert und in einen Kontext mit Reflexion (Spiegel) und Wirkungsgeschichte (D. Bonhoeffer/M.L. King) gestellt. Ich halte diesen Entwurf für rundherum gelungen. Natürlich auch, weil er das historisch ja nun reich belegte Selbstdarstellungsverhalten des Luthertums mit auf den Punkt bringt. Den Kirchenvertretern war dieser Entwurf aber nicht illustrativ genug. Das sei nicht Luther, der würde sich nicht selbst bespiegeln, der würde den um sich kreisenden Menschen als Abgrund ansehen. Der Mensch müsse sich nach Luther an Gott orientieren! Aber warum gibt es dann nur so viele Luther-Statuen? Ein Luther-Biograf wirft Weis vor, ein mit sich selbst disputierender Luther laufe der reformatorischen Befreiungsidee völlig zuwider. Gerade zum Luther-Jubiläum sende solch eine Figur das völlig falsche Signal. Ja, so verstehen manche Menschen die Kunst: als pure Ideologie-Schleuder. Also nicht die Frage: was eröffnet sich mir in dieser Kunst, in dieser Für-wahr-Nehmung Luthers, sondern stattdessen die Kontrolle, ob es sich hier auch um eine Übereinstimmung mit Luthers Lehre handelt. Dann hätte man aber keinen Künstler fragen dürfen. Sagen wir es klar: die kirchlichen Vertreter haben vom Sinn der Kunst nichts verstanden. Glücklicherweise ist im Berliner Fall noch die Stadt beteiligt. Und es steht zu hoffen, dass sie standhaft bleibt, der binnenkirchlichen Wagenburgmentalität nicht nachgibt. Der Entwurf von Albert Weis ist eindeutig der beste Entwurf. Er passt zu Berlin und er passt in eine Gesellschaft, in der der Spiegel ein wichtiges Argument ist. Denn wie heißt es so schön in 2. Korinther 3, 18 nach der Übersetzung der Bibel in gerechter Sprache: Wir alle spiegeln mit unverdecktem Angesicht das Strahlen der Gegenwart des ewigen Gottes wider. Vielleicht sollte man das noch in die Sprüche zu Fuße der beiden Lutherstatuen aufnehmen.

05 August 2016

Islamistische Prophetie?


Kath.net meldet heute Folgendes: Der Islamische Staat (IS) hat in dieser Woche auf die Aussagen von Papst Franziskus zu Islam und Terror reagiert und via der eigenen Zeitung "Dabiq" die Aussagen von Franziskus, dass Muslime den Frieden wollen und die Handlung des IS wirtschaftlich motiviert sei, als naiv kritisiert. Dies berichtet die "Freie Welt" unter Berufung auf das US-Online-Magazin "Breitbart.com". 
     Nun wäre es für ein Nachrichtenportal relativ einfach, statt Aussagen von Dritten zu übernehmen, die sich auf Aussagen von Vierten über Aussagen von Fünften beziehen, selbst mal eben schnell zu recherchieren, ob das so Berichtete auch zutreffend ist. Dabiq, die Zeitschrift des Daesch ist im Internet leicht zugänglich. Und tatsächlich beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe 15 vorrangig mit dem Christentum. Das Heft ist Ende Juli erschienen. Schon das macht die Meldung, die Zeitschrift beziehe sich mit ihrer Stellungnahme auf eine Äußerung von Papst Franziskus, die dieser am 1. August getätigt hat, sehr unglaubwürdig. Es sei denn, man unterstellte den Autoren geradezu prophetische Qualitäten. Also ist der Teaser von kath.net und alle der neokonservativen Propagandisten a la Breitband oder Freie Welt schlichtweg falsch. 
     Richtig ist, dass in der aktuellen Ausgabe von Dabiq das Verhalten der verschiedenen Päpste zum Islam untersucht wird und dabei auch die Haltung von Franziskus besprochen wird. Aber die Stellungnahme ist etwas anders als man von den Teasern der Konservativen erwarten würde. Die Zeitschrift verweist zunächst auf die lange Tradition konfrontativer Begegnungen mit dem Islam durch verschiedene Päpste (bis hin zu Papst Benedikt). Das passt natürlich nahtlos in das Weltbild des Daesch. Probleme bekommen sie erst, seitdem mit Papst Franziskus ein Papst aufgetreten ist, der so gar nicht in das konfrontative Schema passt. Seine Freundlichkeit deuten sie nun als besonders subtile Art der konfrontativen Auseinandersetzung: “So while Benedict and many before him emphasized the enmity between the pagan Christians and monotheistic Muslims, Francis’ work is notably more subtle, steering clear of confrontational words that would oend those who falsely claim Islam, those apostates whom the Crusaders found played the perfect role for their infiltration into Muslim lands.” (Dabiq 15, S. 75) Im Gegensatz zu Benedikt “Francis continues to hide behind a deceptive veil of “good will,” covering his actual intentions of pacifying the Muslim nation. This is exemplified in Francis’ statement that “our respect for true followers of Islam should lead us to avoid hateful generalizations, for authentic Islam and the proper reading of the Quran are opposed to every form of violence” (The Joy of the Gospel). (Dabiq 15, S. 76) M.a.W. sie wittern in Papst Franziskus die wahre Gefahr. Das ist nun wirklich interessant. Unter der Hand erweisen sich so die konservativen Evangelikalen und die konservativen Katholiken als Verbündete im Geiste mit den Ideologen des Daesch. Denn alle haben ein erkennbares Interesse an einer Eskalation. 
     Diese Übereinstimmung wird noch an einer anderen Stelle deutlich, dort nämlich, wo sich der Daesch über die liberale Haltung des Papstes zu den Homosexuellen echauffiert. Bis in die Wortwahl stimmen hier Rechtskatholiken und Daesch-Ideologen überein. "Completely disregarding his own Church’s doctrine of judging homosexuals as immoral for engaging in the perverted act of sodomy, Francis has again sidestepped religion for the sake of public opinion." Der Daesch deutet diese liberale Haltung des Papstes als "part of the papal mission to garner any support possible, even from the likes of filthy, effeminate sodomites, in the crusade against the Muslim nation in general and the Islamic State in particular." Das ist natürlich ziemlich über die Bande gedacht, so kann nur denken, wer sich im Zentrum der Welt sieht. Jedenfalls sieht der Daesch den Papst nicht als naiven, nützlichen Idioten. Und deshalb werden auch die Gespräche, die Papst Franziskus mit den großen Vertretern des Islam führt, von den Ideologen des Daesch als reale Bedrohung wahrgenommen. "This is all part of a plan to demilitarize Islam or, to put it more correctly, to remove the clearly Quran- and Sunnah-based duty of waging jihad against pagans until all the world is ruled by the Shari’ah." Vielleicht sollten die Macher von kath.net und idea wirklich mehr in Dabiq lesen, um zu erkennen, dass in Wirklichkeit sie es sind, die als nützliche Idioten des Daesch deren Eskalationsstrategie befeuern.

01 August 2016

Heft 102 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Vita brevis ars longa

und enthält folgende Beiträge
 
Editorial - Vita brevis ars longa

VIEW

Vita brevis ars longa
Zum 75. Geburtstag von Hans-Jürgen Benedict
Christoph Störmer

Der Theologieprofessor
Für Hans-Jürgen Benedict zum 75. Geburtstag
Horst Schwebel

In Geschichten verstrickt ...
Jörg Herrmann und Andreas Mertin

Die sieben Werke der Barmherzigkeit
Ein Beispiel diakonischer Kunst - wiederbetrachtet
Andreas Mertin

Udos Evangelium und das Ende der Ironie
Religionshermeneutische Notizen zu Benjamin von Stuckrad-Barres autobiographischem Buch „Panikherz“
Jörg Herrmann

Predigt des Löwen
Über Péter Esterházys Roman „Die Markus-Version“
Wolfgang Vögele

RE-VIEW

Ars bene moriendi
Assoziationen von Marilyn Monroe beim Gang durch diverse Ausstellungen
Barbara Wucherer-Staar

Ars brevis
Die kleine Ewigkeit der Kunst
Andreas Mertin

Steve Jobs und Apple
Gedanken zu einem – religiösen? – Phänomen unserer Zeit
Thomas O.H. Kaiser

Gelöscht
Ein Kapitel deutscher Ausstellungsgeschichte
Karin Wendt

E.N.D.E.
Zur aktuellen Ikonographie des Religiösen IX
Andreas Mertin

Unter Beteiligung X
Kurzvorstellungen
Andreas Mertin

POST

Stromae - Ein Meister der Ambiguitäten
Vorstellungen ausgewählter Videoclips XLVI
Andreas Mertin

Was ich noch zu sagen hätte
Das Blogsurrogatextrakt XVII
Andreas Mertin

28 Juli 2016

Fremde(s) aushalten

Detmers, Achim; Dreßler, Sabine (Hg.) (2016): Fremde(s) aushalten. Migration und Aggression in Europa. Solingen: foedus (Texte zur reformierten Theologie und Kirche, 1).

In den Ruinen der Großen Kirche von Emden, einem herrlichen Gebäude im gotischen Stil, das durch Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, ist in den 1990er Jahren eine Spezialbibliothek für reformierte Theologie und Geschichte entstanden. Im Laufe der Jahre ist die Johannes a Lasco Bibliothek zu einem beliebten Konferenzort sowie zu einem anerkannten Kunst- und Kulturforum geworden. An diesem besonderen Ort fand vom 17. bis 19. Februar 2016 eine internationale Konferenz zu „Migration und Aggression in Europa“ auf Einladung des Reformierten Bundes und des europäischen Gebietes der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen statt.

Der vorliegende Band dokumentiert ausgewählte Beiträge der Tagung und enthält Texte von Achim Detmers, Robert Vosloo, Susanne Lachenicht, Andreas Mertin und Martina Wasserloo-Strunk.

01 Juni 2016

Heft 101 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Die Stadt und der Tod...

und enthält folgende Beiträge

Editorial

VIEW

Es geht dem Menschen wie dem Vieh
Die Stadt, der Tod und der elende Mensch – Theologische Überlegungen zu Alfred Döblins „Berlin Alexanderplatz“
Wolfgang Vögele

Der Totentanz von Alfred Rethel
Ein Beispiel politischer Kunst - wiederbetrachtet
Andreas Mertin

„Es kann nicht sein, dass ich sterben muss.
Das wäre zu schrecklich“

Das Übel des Todes und die Hoffnung auf ewiges Leben
Christian Weidemann

„Wollen Sie wirklich wissen, wie Sie sterben werden?"
Zur popkulturellen Version einer Providentia dei
Andreas Mertin

Auf zum letzten Tanz
Wenn der Tod im Musikvideo aufspielt
Andreas Mertin

Die Alte, die Fremde, das Geheimnis
Bemerkungen zu ‚The Lady in the Van‘
Hans J. Wulff

RE-VIEW

Der barmherzige Heide
Eine Rezension
Wolfgang Vögele

Des Königs zweiter Körper
Eine Rezension
Ludwig Laibacher

Dogmenwahn?
Eine Rezension
Horst Schwebel

Dies ist keine Rezension
Ein Seufzer über Dietmar Daths Roman „Leider bin ich tot“
Wolfgang Vögele

Für evangelikale Dummies?
Eine Kritik
Andreas Mertin

POST

Das allsehende Auge Gottes
Zur aktuellen Ikonographie des Religiösen
Andreas Mertin

Was ich noch zu sagen hätte
Das Blogsurrogatextrakt XVI
Andreas Mertin

13 April 2016

Mehr-Wert

„Intervenieren“ kann bedeuten: eingreifen, sich einmischen, sich einschalten, dazwischenfahren, dazwischenfunken, dazwischentreten, protestieren, sich verwenden für, vermitteln, hineinreden, sich eindrängen, ein Wort einlegen für, Einspruch erheben.

Die Arbeiten des Künstlers Christian Hasucha [www.hasucha.de] untersuchen Möglichkeiten der konkreten Intervention [www.theomag.de/01/kw2.htm] in den (öffentlichen) Raum. Zur Zeit läuft auf einer kleinen asphaltierten Fläche in Köln, dem Kunstraum 10 qm [www.10qm.de/], Hasuchas Experiment Die Zuschreibung.

01 Februar 2016

Heft 99 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Die Eine Welt

und enthält folgende Beiträge
 
EDITORIAL

VIEW

Die Reformation und die Eine Welt
2016 – Notizen zur Odyssee in die Bedeutungslosigkeit
Andreas Mertin

Wirtschaften in einer endlichen Welt
Ethische und theologische Reflexionen
Jörg Herrmann

Lost control – Schwarze Mythen
Zum letzten Werk von David Bowie
Andreas Mertin

Nimm und lies!
Lektüre, Konversion und Hermeneutik
Wolfgang Vögele

Bei Brot und Wein
Einer Einladung zu einem Tischgespräch folgend
Andreas Mertin

RE-VIEW

Vielfältige Inszenierungen der Vernunftherrschaft im alten Reich
Zu Steffen Martus „Aufklärung“
Hans-Jürgen Benedict

Worin besteht denn das Neue des neuen Gottes?
Anmerkungen
Hans-Jürgen Benedict

Heiliger Krieg?
Philippe Bucs Essay zur Gewalt im Namen des Christentums
Andreas Mertin

Chi
Eine Buchvorstellung
Andreas Mertin

Unter Beteiligung IX
Kurzvorstellungen
Andreas Mertin

POST

Major Tom - Der erste Videoclip aus dem Weltall
Vorstellungen ausgewählter Videoclips XLV
Andreas Mertin


Was ich noch zu sagen hätte
Das Blogsurrogatextrakt XV
Andreas Mertin

06 Januar 2016

Heilige Drei Könige

Heilige drei Könige
Reliquiar Anfang 5. Jh.

Sternsingeraktion 2016 (Infos)

24 Dezember 2015

14 Dezember 2015

Tagung zu Bekenntnisschriften

Eine ökumenische Tagung zu den Bekenntnisschriften der evangelischen Landeskirche in Baden findet am Freitag, den 22. Januar 2016 im katholischen Dekanatszentrum Karlsruhe statt.

Der Veranstalter schreibt dazu: "Wir nehmen uns einen Studientag lang Zeit, um aus ökumenischer Perspektive über die Bekenntnisschriften der Badischen Landeskirche zu reden. Nähere Informationen über Referenten, Tagungsort und -zeit finden sich im Flyer (Flyer Tagung) der Tagung, die gemeinsam vom Referat 3 des Oberkirchenrats und der katholischen Erwachsenenbildung in Karlsruhe veranstaltet wird.

Die Bekenntnisschriften einer evangelischen Kirche stehen grundsätzlich nicht für sich selbst, sondern sie verbinden eine Kirche in vielfältiger Weise mit der Ökumene, nicht zuletzt mit der katholischen Schwesterkirche. Dieses kann man an unterschiedlichen Themen durchbuchstabieren."

Weitere Infos finden sich auf dem Blog von Wolfgang Vögele.

03 Dezember 2015

Quellenscheidung - einfach gemacht

Was ist christlicher Fundamentalismus, wann kann man jemanden als terroristischen-Pro-Life-Aktivisten bezeichnen und warum lieben wir die Doppelmoral?

Text 1: Peter Winnemöller auf kath.net über "Selektive KNA-Recherche über tödliche Gewalt"

Text 2: Margarete Stokowski über " Terror gegen Abtreibungskliniken: Doppelmoral hält schön warm"

Beide Texte wurden etwa zur gleichen Zeit geschrieben und publiziert.

01 Dezember 2015

Heft 98 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel 

Vor unseren Augen

und enthält folgende Beiträge
EDITORIAL

VIEW

Verstehst Du auch, was Du siehst?
Horst Schwebel zum 75. Geburtstag
Ingrid Witzel und Andreas Mertin

Vor unseren Augen
I – Warum mir die Kultur der Medienkunst als Theologe wichtig ist
II – Erinnerungen
Andreas Mertin

Looking Back to See
Vom gegenwärtigen Versuch, die Geschichte der modernen Kunst anders zu erzählen
Karin Wendt

Warum die Kultur für die Kirche wichtig ist
Über Wiederentdeckungen der Kultur im Protestantismus
Jörg Herrmann

Der wummernde Jesus
Marginalien über theologische Spurensuche auf dem Feld der Kultur
Wolfgang Vögele

Den Raum vor Augen
Impulse aus den Diskussionen mit Horst Schwebel
Veit Ruser

Warum mir die Kultur des Theaters als Theologe wichtig ist
Anmerkungen nach drei Premierenbesuchen
Hans-Jürgen Benedict

RE-VIEW

„Besuch aus der Pfalz“
Ein meditativer Gang durch die Ausstellung „Befreite Moderne“ im Kunstmuseum Mülheim
Barbara Wucherer-Staar

Ein Muslim betrachtet katholisch-fromme Bilder
Hans–Jürgen Benedict

Vergebliche Liebe, gescheiterte Politik, verklärte Impression
Gustav Flauberts ‚Erziehung der Gefühle‘ – wiedergelesen
Hans-Jürgen Benedict

Unter Beteiligung VIII
Kurzvorstellungen
Andreas Mertin

POST

Kurz und gut V
Vorstellungen ausgewählter Kurzfilme: Eine Zeichenstunde
Andreas Mertin

Was ich noch zu sagen hätte
Das Blogsurrogatextrakt XIV
Andreas Mertin

02 Oktober 2015

Heft 97 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Closer to van Eyck

und enthält folgende Beiträge
 
EDITORIAL

VIEW

Wolkenflüstern
Ein Gespräch mit Fernando Pessoas radikaler Anthropologie
Wolfgang Vögele

Warum, van Eyck?
Die Herausforderung bildender Kunst für Nachgeborene
Andreas Mertin

Think Again
Gedanken zu Restaurierung, Wahrnehmung und Zerstörung
Karin Wendt

Das ewige Rätsel
Deutungen des Genter Altars
Andreas Mertin

Der Madrider Lebensbrunnen nach van Eyck
Kunst und Chronologie - Theologie und Antijudaismus
Andreas Mertin

Resonanzen zu van Eyck
Eine Kompilation
Etwas Literatur zum Thema
Andreas Mertin

RE-VIEW

„Der Buchstabe tötet“
Die verhängnisvolle Ablösung des Judentums durch das Christentum
Hans–Jürgen Benedict

Abschiedsmusik und Antisemitismus
Zu Gast bei den Gustav Mahler Musik-Wochen in Toblach
Hans-Jürgen Benedict

„... von großem Wert für die Nachwelt“
Der Briefschreiber Goethe. Eine Rezension
Hans-Jürgen Benedict

POST

Vernunft und Bildung
Von hippen Zügen, Gender und ungebildeten evangelischen Geistlichen
Andreas Mertin

Was ich noch zu sagen hätte ...
Das Blogsurrogatextrakt XIII
Andreas Mertin

01 August 2015

Heft 96 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Spiritualität

und enthält folgende Beiträge
 
EDITORIAL

VIEW

„Der Teufel trägt Prada“
Rokoko oder: Das lockere Spiel
mit symbolischen Formen
Andreas Mertin

Sakrale Inszenierungen
Eine Rezension
Andreas Mertin

Sakral – Religiös – Spirituell?
Oder doch nur: als bedeutungsvoll beschrieben?
Andreas Mertin

Hallelujah! Theologische Marginalien
über einen Song von Leonard Cohen
Wolfgang Vögele

Müssen wir alle sterben?
Kindertheologie eines Vaters und bissige Pastorinnenkritik
Hans-Jürgen Benedict

Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses
Narrative Funktionsbindungen des Motivs „Leichenüberführung“ im Spielfilm
Hans J. Wulff

RE-VIEW

Unterwegs zum Sinn
Eine Typologie von Pilgernden
Frank Hofmann

Schweben
Wieso in der Kunst gelingt, was im Leben so schwer ist. Eine Predigt
Hans-Jürgen Benedict

Märchen und Geschichten
Notizen zu aktuellen Gute-Nacht-Geschichten über Kunst und Kirche
Andreas Mertin

Analog – Digital – Monumental II
Bild-Annäherungen. Eine Ergänzung
Andreas Mertin

POST

I'm guided by the beauty of our weapons
Vorstellungen ausgewählter Videoclips XLIV
Andreas Mertin

Was ich noch zu sagen hätte ...
Das Blogsurrogatextrakt XII
Andreas Mertin

13 Juli 2015

EKD gegen das Alte Testament

Die Evangelische Kirche hat mit deutlichen Worten die Zerstörung von Bildern, wie sie im Alten Testament in Richter 6, 25ff. zum Ausdruck komme, verurteilt. Auch eine unmittelbare Aufforderung Gottes, Kultbilder zu zerstören, rechtfertige es nicht, diese anzugreifen und Gottes Wort zu folgen: „Im Themenjahr zu ‚Bild und Bibel‘ stellen wir fest, dass die Bilder in vielfältigsten Formen seit langem Ausdruck evangelischer Frömmigkeit geworden sind. Die Zerstörung von Bildern lehnt die Evangelische Kirche ab“. Hier gelte die religiöse Befindlichkeit mehr als die Heilige Schrift. An dieser Stelle sei das protestantische „sola scriptura“ aufgehoben. Gerade das Gespräch mit den orthodoxen Glaubensbrüdern mache der Evangelischen Kirche deutlich, wie wichtig es gewesen sei, das Zweite Gebot abzuschaffen und an dessen Stelle die Verehrung der Bilder zu setzen. 

Soweit zum Kapitel „Protestantische Realsatire“. Alles Weitere unter Dialog mit Ökumenischem Patriarchat zur Bedeutung von Bildern.

23 Juni 2015

Gefängnis als Motivation

Ja, so haben es die Herrschenden vom Anbeginn der Zeiten sich schon immer gedacht: Man muss den Künstler ab und an ein Gefängnis zeigen, dann fühlen sie sich gleich viel mehr motiviert! Aus dieser bitteren Lehre möchte der Protestantismus 2017 in Wittenberg eine Tugend machen, wie in der Zeitschrift zeitzeichen nachzulesen ist:

> .... Hinter ihm das alte Gefängnis, seit den Siebzigerjahren außer Betrieb und heute leerstehend. Es soll im Reformationssommer 2017 zum Künstlerhaus werden, so Schneiders Vision: "40 Künstler arbeiten über Luther und setzen sich mit Luther auseinander." Dies alles soll in Zusammenarbeit mit der documenta in Kassel geschehen, die 2017 zeitgleich zur Weltausstellung Reformation stattfindet. Etwas zerfallen wirkt es schon, das alte Gefängnis. Egal, so eine Atmosphäre wirkt auf Künstler in der Regel beflügelnd. Das wird toll. <

Unbestritten, man muss sie nur ins Gefängnis stecken, die Künstler. Wirkt echt beflügelnd. Toll.

Im Herbst letzten Jahres schrieb ich in der gleichen Zeitschrift:

> Ein Lackmustest für die Bemühungen der Evangelischen Kirche um Kunst im Gefolge des Themenjahrs „Bibel und Bild“ scheint mir daher zu sein, was sie 2017, in dem Jahr, in dem das Reformationsjubiläum, die documenta in Kassel und die Biennale in Venedig zusammenfallen, der Kunst anzubieten hat. Denn wir feiern 2017 nicht nur 500 Jahre Reformation, sondern, wie Hans Belting in seinem Buch „Bild und Kult“ deutlich gemacht hat, auch 500 Jahre freie Kunst nach dem Ende der Kultbildzeit. Ich bin gespannt auf die kirchlichen Aktivitäten zu dieser Koinzidenz und hoffe, es wird nicht nur der Blick zurück auf den Beitrag Cranachs zur Reformation, sondern auch der Blick zur Seite und nach vorne auf die Gegenwart und Zukunft der Kunst sein. ... Aber bitte: keine Kultbild-Ausstellung „Martin Luther in der zeitgenössischen Kunst“. <

Es hat nicht sollen sein, die Evangelische Kirche hat den Lackmustest kultureller Zeitgenossenschaft nicht bestanden. Mal sehen, was die Künstler im Gefängnis der narzistischen Selbstbespiegelung der Evangelischen Kirche zustande bringen. Vergleichsmaßstab wird dann aber vermutlich nicht die documenta oder die Biennale sein, sondern die Staatskunst der DDR zum Lutherjubiläum 1983.



13 Juni 2015

Rothko als Baselitz

Es gehört ja zu den betriebsinternen Witzen des Kunstsystems, dass in einem Museum ein Kunstwerk der Moderne aus Versehen verkehrt herum, also auf dem Kopf aufgehängt wurde. Spätestens seit der Abstraktion ist es ja auch gar nicht so einfach, sich zu orientieren.

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat es nun bei ihrer neuesten Denkschrift geschafft, diesen Effekt zu reproduzieren, sozusagen Mark Rothko auf den Kopf zu stellen (wie manchmal die Welt in der Kunst eines Georg Baselitz). Ist ja auch schwer zu erkennen, wo hier oben und unten ist und in der EKD verfügt man sicher nicht über einen Internetanschluss, um das mal eben zu überprüfen. Die Kunst selbst kommt natürlich in der Denkschrift nicht vor (obwohl sie seit der Romantik durchaus als Kunstreligion zu den religiösen Ausdrucksformen zählt), nur das Wort "Kunst" kommt einmal vor, nämlich als Kunst, etwas Bestimmtes zu können. Ja, Können ist eine Kunst - aber Kunst aufhängen können sie definitiv nicht.

Man kann sich nun fragen, wie man überhaupt auf Mark Rothko im Kontext dieser Denkschrift gekommen ist. Sachlich hätte sich ja ein Bild aus der Rothko-Kapelle in Houston angeboten, die seit Jahrzehnten dem interreligiösen Gespräch dient. Aber das Bild "Nr. 10" hängt im MOMA und hat erkennbar wenig mit der Sache zu tun. Obwohl .... wenn man die Größenordnungen der Farbfelder zueinander nimmt ... Aber so viel Symbolismus werden sie dann doch nicht betrieben haben.

P.S.: Aber man könnte es anhand des Kommentars des MOMA ja mal versuchen: "The irregular patches of color characteristic of the artist’s Multiform paintings of 1948 seem to have settled into place on this canvas, which Rothko divided horizontally into three dominant planes of color that softly and subtly merge into one another. ... He explained, "The progression of a painter's work, as it travels in time from point to point, will be toward clarity: toward the elimination of all obstacles between the painter and the idea, and between the idea and the observer."