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06 Januar 2017

Königliches

Dieric Bouts, Hl. Drei Könige, 1445


27 August 2016

Unfassbar

In der FAZ erscheint am 24.8. in der Rubrik "Öffentliche Kunst"(!) ein Beitrag unter der Überschrift "Tyrannei der Beleidigten". Darin geht es darum, wie mit Objekten umgegangen werden soll, die andere Menschen wegen ihres Glaubens in unerträglicher Weise herabsetzen. Im vorliegenden Fall konkret um eine Petition, in der die Entfernung der so genannten "Judensau" von einer Wittenberger Kirche gefordert wird - eine Aktion, die seit langem überfällig ist. Die Verfasser der Petition fordern keinesfalls die Vernichtung der Skulptur, sondern ihre Thematisierung in ihrer Bedeutung und ihren Folgen in einem Museum. Das finde ich nachvollziehbar und unterstütze deshalb auch die Petition.

Der Kritiker an der Petition aus der FAZ wählt nun aber einen Zungenschlag, der unerträglich ist. Er vergleicht die Petition mit Bilderstürmern und auch mit den Aktionen der Taliban. Das ist absurd. Vor allem vergreift er sich im Ton. Man muss ja nur fragen, wer denn durch die 'Judensau' beleidigt wird, um den Sachgehalt der Titelaussage auf den Satz "Tyrannei der Juden" zuspitzen zu können. Da der Verfasser der Petition tatsächlich Jude ist, ist es schlichtweg antijudaistisch. Unfassbar.

03 Dezember 2015

Quellenscheidung - einfach gemacht

Was ist christlicher Fundamentalismus, wann kann man jemanden als terroristischen-Pro-Life-Aktivisten bezeichnen und warum lieben wir die Doppelmoral?

Text 1: Peter Winnemöller auf kath.net über "Selektive KNA-Recherche über tödliche Gewalt"

Text 2: Margarete Stokowski über " Terror gegen Abtreibungskliniken: Doppelmoral hält schön warm"

Beide Texte wurden etwa zur gleichen Zeit geschrieben und publiziert.

01 November 2014

Religion und Kirche

"Religion existiert nur noch partiell als selbstverständliches Symbolsystem. Der Graubereich des Unausgesprochenen, Unaussprechbaren ist heute größer als in früheren Epochen. Und gerade deshalb müssen wir uns einen Reim darauf machen. Es ist unverantwortlich, wenn Dogmatik und Kirche darüber einfach hinweggehen." Ulrich Barth im Interview der FAZ

Das ganze Interview hier.

Weitere Schriften von Ulrich Barth:

02 Oktober 2014

Protestantismus und Bild

Wenn in einer Broschüre zum Thema Bibel und Bild vier Mal Leni Riefenstahl, drei Mal Gustav Dore und kein Mal Ernst Barlach, Joseph Beuys, Andy Warhol, Marc Roth­ko oder Barnett Newman, geschweige denn Bruce Naumann, Gerhard Richter, John Baldessari, Cindy Sherman, Lawrence Weiner oder Sol LeWitt vorkommen, allenfalls ein in einer Kirche platziertes Werk von Anish Kapoor (und dann nicht einmal das aus der Dresdner Frauenkirche) – dann befinden wir uns im Herzen des Protestantismus 2015. Einer kunst- und bild-analphabetischen Religion – zumindest was seine Funktionärskaste angeht. Wenn statt eines Künstlers ein künstlerisch-tätiger Theologieprofessor, statt wirklicher Kunst ein Designbüro für die Kunst einsteht, dann merkt man, dass der Protestantismus in Sachen Bild seit Luther nichts dazu gelernt hat. Noch immer herrscht unter seinen Funktionären (von wenigen Ausnahmen wie Ralf Meister abgesehen) eine unmittelbare Verdinglichung der Kunst, eine Ingebrauchnahme der Bilder wie sie instrumenteller kaum gedacht werden kann. 
     „Bilder veranschaulichen die Zentralität Christi oder die Bedeutung der Predigt für die Gemeinde“ (Ratsvorsitzender Schneider) – darauf wird es wohl hinauslaufen. Es ist diese narzisstische Verliebtheit des Protestantismus in den Wortfetischismus, die einem den Atem raubt. Und auch die alte Erfahrung aus Pfarrerfortbildungen schlägt voll durch: der evangelische Pfarrer oder Professor kann alles selber und besser: malen, dichten, schriftstellern, musizieren. Den Differenzierungsgewinn der Moderne verachtet er, Autonomie ist ihm ein Gräuel. Und deshalb ist der Protestantismus auch so mittelmäßig. Aber man könnte es auch ehrlich nennen. 
     Das Titelbild der erwähnten Broschüre ziert ein grau-weißes Kreuz auf weißem Hintergrund, das in einem Pinsel endet. Banaler geht es nicht. Da lobe ich mir die Kunst der Gegenreformation, die protestantischer als der Protestantismus heute jemals sein kann, nach dem Verhältnis des Einzelnen zum Bild fragt, und auf deren Bildern Christus dezentriert platziert ist und der Betrachter in Gestalt des Malers ins Bild drängt. Und deshalb lautet mein Motto für heute: Zurbaran statt Cranach!

06 September 2014

Provinzbischof

Manchmal kann man über die stupende Selbstkritik eine Blogwartseite wie kath.net nur erstaunt sein. Sicher, unmittelbar selbstkritisch äußern sie sich selten, aber im Rückschlussverfahren gibt es dann doch aufschlussreiche Urteile. Jüngst räumte kath.net Peter Winnemöller einen Gastbeitrag ein, in dem dieser sich über den Antwerpener Bischof Johan Bonny echauffierte. Und sowohl im Teaser wie im laufenden Text des Beitrages denunzierte Winnemöller Bonny als „Provinzbischof“. Wie kann man, so seine implizite Frage, nur einem solchem Bischof aus der Provinz Gehör schenken. Nun ist Antwerpen, wo Bonny Bischof ist, ja keinesfalls eine Provinzstadt. Sie ist nicht nur historisch eine der wichtigsten und bedeutendsten Städte Europas und mit über 500.000 Einwohner auch nicht gerade klein. Jedenfalls fragt man sich doch, wie kath.net, wenn sie denn dem Gastkommentar sogar im Teaser zustimmen, auf die Idee kommen kann, seit Jahren einem Weihbischof eine Textkolumne einzuräumen, der in einem Provinzstädtchen mit gerade einmal 146.000 Einwohner residiert. Muss das herabsetzende Urteil über den „Provinzbischof“ aus Antwerpen nicht um ein mehrfaches für den provinziellen Weihbischof gelten?

In der Sache selbst kann man den Kommentar von Winnemöller auch als vernichtende Kritik an Josef Ratzinger lesen. Winnemöller meint nämlich, für den Niedergang der Kirche und ihrer Lehre seien jene Professoren verantwortlich, die auf katholischen Lehrstühlen vor 40 Jahren tätig waren. Wenn ich es recht sehe, träfe das insbesondere auf Josef Ratzinger zu, der 1958 Professor wurde und bis zu seiner Ernennung zum Erzbischof 1977 als solcher tätig blieb. Als Papst Benedikt XVI. hat er dann Johan Bonny 2008 zum Bischof von Antwerpen ernannt. Wer da keine Zusammenhänge erkennt.

21 August 2014

Zur Geschichte der Barbarei II

Durch einen traditionalistischen Blog werde ich heute auf Isabella I. von Kastilien aufmerksam gemacht, von der die Traditionalisten hoffen, sie würde einmal heiliggesprochen. Wenn man sich fragt, warum, dann lautet die simple Antwort: weil sie zur Geschichte der Barbarei gehört, der gnadenlosen Verfolgung von Juden und Mauren.

"Auf Basis der 1478 von Papst Sixtus IV. erlassenen päpstlichen Bulle Exigit sincerae devotionis führten Isabella und Ferdinand die Inquisition in ihrem Reich ein. 1488 schufen sie den Consejo de la Suprema y General Inquisición. Überwiegend richtete sich die Inquisition gegen zum Christentum konvertierte Juden, die sogenannten Marranen, die verdächtigt wurden, insgeheim noch ihrem früheren Glauben anzuhängen. Mehr als die Hälfte, in Guadalupe etwa mehr als drei Viertel, aller so Angeklagten wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Eroberung des Emirats von Granada im Januar 1492 bildete den Endpunkt der „Reconquista“ und damit der rund 700 Jahre dauernden Präsenz der Mauren in weiten Teilen der iberischen Halbinsel. In der Folge gingen Ferdinand und Isabella mit großer Brutalität gegen Juden und Muslime vor. Mit dem Alhambra-Edikt vom 31. März 1492 wurden alle Juden im Herrschaftsgebiet von Isabella und Ferdinand (Sephardim) gezwungen, entweder zum Christentum überzutreten oder das Land zu verlassen. Papst Alexander VI. verlieh dem Ehepaar 1494 den Titel der reyes católicos (Katholische Könige). 1502 folgte die Ausweisung der noch verbliebenen Muslime, was einen weiteren wirtschaftlichen und künstlerischen Aderlass bedeutete." [wikipedia]

10 Januar 2014

Akzeptanz sexueller Vielfalt

Aus Anlass der beschämenden Stellungnahme der Kirchen Baden-Württembergs gegen die Förderung der Akzeptanz sexueller Vielfalt sei an ein Video von Madonna erinnert, in dem sie an das Schicksal homosexueller Kinder erinnert, die sich aus Angst vor der Nichtakzeptanz ihren sexuellen Identität umgebracht haben.

18 Dezember 2013

Zur Aktualität von Lukas 18, 9-14

Gerade las ich im Leserforum der FAZ folgendes Statement eines traditionalistischen Katoliken zu den drohenden Veränderungen seiner Kirche: "Wer eine 'Kirche' will, in der Schwule vor den Traualtar treten, in denen Ehebrecher das Allerheiligste empfangen dürfen und in dem die Schafe bestimmen, in welche Auen sie vom Hirten (Pastor) geführt werden wollen, soll sich eine andere 'Kirche' suchen. Ich lasse mir jedenfalls nicht von irgendwelchen Dahergelaufenen meine Kirche weg nehmen! Weder von Schwulen, noch von Ehebrechern und auch nicht von Leuten, die abtreiben lassen oder künstliche Verhütungsmittel nehmen."

Das könnte einen glatt zu einer Neuformulierung Lukas 18, 9-14 führen:
"Er sagte aber zu etlichen, die sich selbst vermaßen, dass sie fromm wären, und verachteten die andern, ein solch Gleichnis: Es gingen zwei Menschen hinauf in die Kirche, zu beten, einer ein Traditionalist, der andere ein Sünder. Der Traditionalist stand und betete bei sich selbst also: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie die anderen Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Sünder. Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich habe. Und der Sünder stand von ferne, wollte auch seine Augen nicht aufheben gen Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig! Ich sage euch: Dieser ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden."

19 Oktober 2013

Notiz zum Limburger Bischof

Aus der Legenda Aurea" über den Apostel Thomas:

Thomas der Apostel war zu Caesarea in der Stadt, da erschien ihm unser Herr und sprach: "Gundoforus der König von Indien hat seinen Schaffner Abbanes ausgesendet, daß er ihm suche den besten Baumeister. Darum steh auf, ich will dich zu ihm senden". Sprach Sanct Thomas "Herr, sende mich wohin du willst, allein nach Indien sende mich nicht". Da antwortete unser Herr und sprach "Thoma, geh und fürchte dich nicht, ich will dein Hüter sein; und wenn du die von Indien bekehrt hast, so sollst du zu mir kommen mit der Märtyrer Palme". Sprach Sanct Thomas "Du bist mein Herr, ich bin dein Knecht, dein Wille geschehe". Da nun der Schaffner des Königs auf dem Markte ging, sprach zu ihm unser Herr "Jüngling, was suchest du?" Er antwortete "Mein Herr hat mich gesandt, daß ich ihm suche die besten Meister der Baukunst, daß sie ihm einen Palast machen nach der Römer Weise". Da gab ihm unser Herr Sanct Thomam als einen großen Meister in der Kunst. Also stiegen sie miteinander zu Schiff und fuhren über Meer. ...

Hiernach kamen Abbanes und Sanct Thomas zu dem König von Indien; und Sanct Thomas zeichnete ihm einen herrlichen Palast, den er ihm bauen wollte; dazu gab ihm der König einen großen Schatz Goldes und fuhr in ein ander Land. In der Zeit teilte Sanct Thomas den Schatz unter die Armen, und zwei ganze Jahre, dieweil der König aus war, predigte er dem Volk und bekehrte unzählig viel Volks zum Christenglauben. Als der König wieder kam und vernahm, wie Thomas gelebt hatte mit seinem Gut, da warf er ihn samt Abbanes in den tiefsten Kerker und gedachte, wie er sich an ihnen räche, und wollte sie beide lebendig schinden und darnach mit Feuer verbrennen. Zu der Zeit starb Gad, des Königs Bruder; dem ward ein Grab mit großer Pracht bereitet. Aber am vierten Tage erstand der Tote; da erschraken und flohen alle, die gegenwärtig waren. Der tote Gad aber sprach zu seinem Bruder "Wisse, daß der Mensch, den du Willen hattest zu schinden und zu brennen, ist ein Freund Gottes, und dienen ihm alle Engel: die führten mich auch in das Paradies und zeigten mir einen Palast, der war wunderbarlich gewirkt von Gold und von Silber und von edelem Gestein; und da ich mich der Gezierde verwunderte, sprachen sie zu mir 'Dies ist der Palast, den Thomas deinem Bruder hat gemacht'. Da sprach ich 'Wollte Gott, daß ich Pförtner da möchte sein'. Sie antworteten 'Dein Bruder hat sich unwürdig gemacht dieser Wohnung, darum, begehrst du hierinnen zu wohnen, so wollen wir Gott für dich bitten, daß er dir das Leben wiedergebe, damit du deinem Bruder seinen Palast abkaufest und ihm das Geld wiedergebest, das er wähnet verloren zu haben'." Mit dem so lief Gad in den Kerker und bat Sanct Thomas, daß er seinem Bruder wolle verzeihen, und löste ihm seine Fesseln, und bat ihn, daß er ein köstlich Leid von ihm nähme. Aber Sanct Thomas sprach "Weißt du nicht, daß die nichts leibliches noch weltliches begehren, so Gewalt wollen haben in dem Himmel?" Als Sanct Thomas aus dem Kerker ging, lief ihm der König entgegen, warf sich ihm zu Füßen und bat um Gnade. Da sprach der Apostel "Gott hat euch sonderliche Gnade getan, daß er euch seine Heimlichkeit hat erzeigt. Darum glaubet an ihn und lasset euch taufen, damit ihr teilhaftig werdet des ewigen Reiches". Sprach zu ihm Gad, des Königs Bruder "Ich sah den Palast, den du meinem Bruder hast gebaut, und hab erworben, daß ich den kaufen dar". Antwortete Sanct Thomas "Das steht in deines Bruders Willen". Da sprach der König "Der Palast ist mein, und soll Sanct Thomas dir einen sonderen bauen, und mag er das nicht tun, so soll dieser Palast uns beiden gemeinsam sein." Der Apostel antwortete "Es sind unzählige Paläste in dem Himmel von Anbeginn der Welt bereit, die man kaufet mit dem Glauben und mit Almosen. Also mögen euch eure Schätze nütze sein, so sie vor euch her gehen zu den himmlischen Wohnungen; denn nachfolgen mögen sie euch nimmermehr".

20 September 2013

Relativer Lebensschutz

Ein so genannter katholischer Lebensschützer über die jüngsten Äußerungen des Papstes:

„Ich bete seit Jahren für den Papst. Jeden Tag. Ich habe für Johannes Paul II. gebetet. Ich habe für Benedikt XVI. gebetet. Und ich bete für Papst Franziskus und werde das auch weiterhin für ihn tun. Und ich werde ihn verteidigen, in allem was er wirklich Katholisches tut. Aber ich werde in Zukunft jeden Tag auch dafür beten, daß uns der allmächtige und dreieinige Gott bald einen neuen Papst schenken möge.“

Ganz so weit reicht der Lebensschutz dann offenbar doch nicht, um einem Menschen mit anderen Ansichten ein langes und gesundes Leben zu wünschen - nicht mal dem eigenen Papst.

16 September 2013

Propaganda

Man stelle sich das einmal kurz vor: Da versammeln sich Tausende in der Hauptstadt Berlin, um mit einem Marsch ihre Ideologie kundzutun. Und am Ende wollen sie nach ihrer Abschlusskundgebung noch einen Gottesdienst im Berliner Dom abhalten. Da kommen Ihnen Erinnerungen hoch? Ja, mir auch. Und als Berliner Domgemeinde würde ich es mir deshalb verbitten, derartig als Propagandamittel für die Feier irgendwelcher "Märsche" zu ideologischen Zwecken missbraucht zu werden.

Gott sei Dank hat die Berliner Domgemeinde auch so entschieden. Das hindert die abgewiesenen so genannten 'Lebensschützer' mit ihrem Marsch fürs Leben (um die handelt es sich im vorliegenden Falle), die schon mal gerne Abtreibung mit dem Holocaust in einen Konnex bringen, nicht daran, sich vehement über diese Absage zu echauffieren. Ausgerechnet auf dem katholischen Portal, das Protestanten auch schon mal als "Protestunten" denunziert, ihnen die Selbstbezeichnung als Kirche verweigert und einen vehementen Kampf gegen nahezu alle protestantischen Kirchenvertreter von Käßmann bis Schneider führt, wird nun geklagt, die Protestanten zeigten zu wenig ökumenischen Geist.

Es vergeht kein Tag, an dem nicht auf kath.net Protestanten geschmäht werden und z.B. in den Kommentaren wie im aktuellen Fall als Werkzeuge des Satans bezeichnet werden. Sicher, so schlimm wie andere katholische Portale, auf denen Martin Luther schon mal gerne als "Schwein in der Hölle" bezeichnet wird, ist es bei kath.net noch nicht. Aber die Sprache der Kommentatoren spricht Bände. Hier wird ständig die Ökumene der Praxis, die sich landauf, landab in den evangelischen und katholischen Kirchengemeinden durchgesetzt hat, mit Füßen getreten.

Die protestierenden Lebensschützer wollen gar keine Ökumene, denn dann müssten sie sich ja fragen, was denn die Theologie der Domgemeinde in dieser Frage ist. Sie wollen einen Agitationsort für ihre religionspolitische Propaganda, die nur Schwarz oder Weiß kennt. Und den sollte man ihnen mit guten Gründen verweigern.

15 September 2013

Dialogbereitschaft und Inquisition

'Dialog' ist kein Selbstzweck, sondern hat nur einen Sinn, wenn er ein klares Ziel hat. Das 'einzige Ziel' eines 'Dialogs' der Katholiken mit Ungläubigen kann nur deren Bekehrung sein. Alles andere führt ins Nichts und ist daher sinnlos.

Aus einem traditionalistischen Blog.

07 August 2013

Der sakrale Schmuck der Kirchen

Zitat des Tages von Kurt Marti: "Der 'sakrale' Schmuck der Kirchen sind deshalb die Menschen, die sich in ihr versammeln. Die Zierde der Kirchen sind - nach dem Maßstab Jesu — vor allem Diskriminierte wie Strafentlassene, Langhaarige, Einsame, Asoziale, Witwen, Arme, Homosexuelle usw. Einer Kirche, der gerade diese Diskriminierten fernbleiben, ist mit aller Kunst nicht zu helfen." (1970)

Marti, Kurt (1976): Plädoyer für die Entsakralisierung der kirchlichen Kunst (1970). In: Kurt Marti (Hg.): Grenzverkehr. Ein Christ im Umgang mit Kultur, Literatur u. Kunst. Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag d. Erziehungsvereins, S. 185–189, hier 186.

20 Juli 2013

Kunst und Religion

Zitat des Tages von Bazon Brock: "Nachdem der Kunstmarkt die Kunstkritik endgültig übernommen hat, retten sich marktlose Künstler scharenweise in die Arme von Kultur und Religion. Damit geht die Prognose vom Ende der Kunst in Erfüllung. 600 Jahre Kampf um die Autonomie der Kunst werden unter den Abermilliarden Dollar begraben, mit denen die Herren der Finanzwelt sogar den lieben Gott zu bestechen versuchten. Geld macht Glauben an den Wert der Kunst - Glauben macht Kunst zu Kultur."

15 Juli 2013

Religiöser Katastrophentourismus

Für manche Zeitgenossen findet die theologische Apokalypse beinahe tagtäglich statt. Irgendwo sagt einer was ganz Normales wie „Auch Frauen können ordiniert werden“ (1927 / 1958) oder „Jetzt wählen wir eine Frau zur Bischöfin“ (1992) oder „Jetzt lassen wir die Hochzeit gleichgeschlechtlicher Paare zu“ (2005) und schon geht wieder die Welt unter ... und wieder .... und wieder ... und wieder. Muss irgendwie Spaß machen dieser theologische und innerkirchliche Katastrophentourismus. Seitdem ich mich mit Fragen der Theologie beschäftige, gehört der Tübinger Missionswissenschaftler Peter Beyerhaus zu dieser Gattung der theologischen Apokalypseverkünder. Wann immer jemand etwas sagt, was jenseits des lutherischen Minimalkonsenses liegt und nicht den Geruch des Wertekonservativen hat, kann man sicher sein, dass Beyerhaus mit apokalyptischen Warnungen auftritt. Das muss bei ihm wie ein pawlowscher Reflex sein, darin seinen Gesinnungsgenossen von der evangelikalen Bekenntnisfront nicht unähnlich. Frauenordination? Igittigitt! Wahl einer Bischöfin? Eine "der schwersten geistlichen Katastrophen"! Zulassung gleichgeschlechtlicher Paare zur Hochzeit? „Eine aktuelle sittliche Gefahr“ und ein „moralischer Flurschaden“, der einen sofortigen Rücktritt des Ratsvorsitzenden der EKD nach sich ziehen müsse. Was für ein autoritätsfixierter Müll.

Und die dazu passende apokalyptische Drohung: Sonst werde man katholisch! Na, hoffentlich, denkt man sich da und weiß doch, er und seine Gesinnungsgenossen tun es nicht, sonst entfiele die Grundlage für den heiß geliebten theologischen Katastrophentourismus. Dass die Kirche Paul Tillichs und Richard Niebuhrs, die United Church of Christ, bereits 2005 die Ehe gleichgeschlechtlicher Paare zugelassen hat, ohne dass bisher erkennbar die Welt im Stil von Sodom und Gomorra untergegangen ist, verwundert angesichts derartiger katastrophischer Rhetorik. Nun kann man durch den Blick auf die scheinbare Katastrophe auch erstarren, so sehr, dass man zur Salzsäule wird. Statt aufzubrechen und die Welt zu gestalten, erfreut man sich an den eigenen Weltuntergangsphantasien. Wieder ... und wieder ... und wieder.

Noch fataler erscheint mir aber die geradezu totalitäre Sprache: „Sind Sie unter dem Eindruck des durch das EKD-Papier und Sie selber entfesselten Sturms bereit, eigene Fehlorientierung einzugestehen und sich angesichts der Heiligkeit Gottes – möglichst gemeinsam mit dem gesamten Rat der EKD – von ihm zu distanzieren?“ So spricht der Großinquisitor im Auftrag des Heiligen Geistes. Ratsvorsitzender Schneider soll eigene Fehlorientierung eingestehen? Diese Tonlage finde ich so unverschämt und beleidigend, dass ich mich frage, ob Beyerhaus noch alle Tassen im Schrank hat. Selbst die katholische Kirche hat die Inquisition längst abgeschafft. Auf die beyerhaussche Wiedervorlage kann ich gut und gerne verzichten.

Hirtenwort

Wie viel Bildung darf man von Bundespolitikern erwarten? Von den so genannten Spitzenkandidaten der Parteien, die von uns als Wählerinnen und Wähler erwarten, dass wir am Wahltag unserer Kreuzchen bei ihrer Partei bzw. ihrer Person machen? Man kann davon ausgehen, dass, wenn man heute ein Interview mit einem derartigen Spitzenpolitiker liest, nichts Unüberlegtes publiziert wird, sondern dass das Interview vor der Veröffentlichung gegengelesen und freigegeben wurde. Am heutigen Montag erscheint nach diversen Vorankündigungen durch Nachrichtenagenturen ein Interview von einem der beiden Spitzenkandidaten der Grünen mit Spiegel online. Jürgen Trittin sucht aus der offenkundigen Schwäche der Bundesregierung in der NSA-Affäre Kapital zu schlagen, um die Wähler für die eigene Partei zu mobilisieren. Und so polemisiert er heftig herum, wirft der Koalition vor, zu „agieren wie die drei Affen - nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.“ Und die Justizministerin, die in dieser Frage eher auf Seiten der Grünen agiert, nennt er einen Papagei, der immer dazwischen plappert. Und was wirft er der Bundesregierung vor? Vor allem Untätigkeit. Und dann kommt folgender Satz: 

„Da erwarte ich von der Bundesregierung ein Engagement. Stattdessen scheint sie auf alttestamentarische Art die andere Wange auch noch hinzuhalten.“

Dieser Satz ist auf so viele Arten verstörend, dass man gar nicht weiß, womit man anfangen soll. Darf ich von einem Spitzenpolitiker Deutschlands erwarten, dass er weiß, wo in der Bibel die Bergpredigt steht? Dass er das Zitat „Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar“ richtig einordnen kann? Selbstverständlich greift Matthäus 5, 38 auch einen Vers aus der hebräischen Bibel auf. In Sprüche 20, 22 heißt es: „Sprich nicht: «Ich will Böses vergelten!» Harre des HERRN, der wird dir helfen.“ Aber die Formulierung mit der Wange ist – das gehörte einmal zum Bildungsbestand – einer der berühmtesten Sätze Jesu. Die antijudaistische Formulierung „alttestamentarische Art“ ist man ja inzwischen von Politikern gewohnt, neu ist, dass Trittin sie um von ihrem ursprünglichen denunziatorischen Kontext (das missverstandene „Auge um Auge, Zahn um Zahn“) löst und sie unter Beibehaltung des pejorativen Akzents mit einer gegenteiligen Aussage verbindet. Nun soll plötzlich die Feindesliebe etwas Schlechtes, eben „nach alttestamentlicher Art“ sein. Interessant ist auch gerade bei dieser Partei, dass Trittin die Gewaltlosigkeit, um die es in diesem Vers geht, nun als Inaktivität auslegt. Als hätten nicht Jahrzehnte des gewaltlosen Widerstands gezeigt, dass diese Art der paradoxen Intervention außerordentlich effektiv ist. Aber sei‘s drum. Ich frage mich seit heute, ob ich ernsthaft eine Partei für die Wahl in Betracht ziehen kann, deren Repräsentant a) von paradoxen Interventionen nichts versteht und deshalb b) den Verzicht auf Rachegedanken als mangelndes Engagement brandmarkt, dazu noch c) antijudaistische Klischees verbreitet, weil er d) nicht einmal weiß, wo die Bergpredigt zu verorten ist. Kultur nenne ich etwas Anderes. Nicht, dass es bei den Politikern anderer Parteien besser aussähe. Aber das hilft mir auch nicht. Ganz im Gegenteil.

[Update 12:00; 15.07.2013] Es hat gerade einmal 3 Stunden gedauert, dann wurde das Interview korrigiert. Nun heißt es an der betreffenden Stelle: "Da erwarte ich von der Bundesregierung ein Engagement. Stattdessen scheint sie die andere Wange auch noch hinzuhalten." Besser wäre es gewesen, Trittin hätte entweder das Missverständliche gar nicht erst gesagt oder es vor Veröffentlichung des Interviews korrigiert. Aber immerhin erweist sich Trittin in einem Punkt als lernfähig. Es scheint aber das "Wange hinhalten" immer noch für einen Fehler zu halten.

11 Juli 2013

Die Feinde der offenen Gesellschaft

Man kann der EKD nur dankbar sein, dass sie ihre Orientierungshilfe so dezidiert formuliert und zur Diskussion gestellt hat. Zumindest eines wurde damit erreicht: die Feinde einer offenen und freien Gesellschaft fühlen sich provoziert.

Ein bestimmter konservativer Teil der katholischen Kirche versteht Katholizismus seit einigen Jahren weniger als Bekenntnis zu Jesus Christus, als vielmehr als ideologische Motivation zur Verfolgung von Homosexuellen. Kreuz.net war da nur die Spitze des Eisberges. Wie verbreitet die Verachtung von Homosexuellen ist, kann man auf kath.net oder katholisches.info nachlesen, wo Evangelische schon gerne mal als ‚Protestunten‘ bezeichnet werden. Nun ist es mir ganz egal, wie die Katholische Kirche und manche ihrer Zirkel ihr Verhältnis zur Homosexualität bestimmen – solange das nur die Katholiken betrifft. Das müssen sie unter sich ausmachen. Wenn es ihnen gefällt, Gott so zu denken, dass dieser die sexuelle Identität mancher Menschen grundsätzlich ablehnt – bitte schön, wer das glauben mag. Mein Gottesbild ist ein anderes.

Was wir als Teil der offenen Gesellschaft aber nicht tolerieren sollten, ist der Versuch einer konservativ-katholischen Domestizierung unserer Lebenswelt. Nur weil manche Katholiken ein Problem mit Homosexualität und eben auch mit Homosexuellen haben, muss der Rest der Gesellschaft nicht darunter leiden. Geht man davon aus, dass selbst in der katholischen Kirche die Homosexuellen-Phobie nur eine minoritäre Position ist, dann erleben wir gerade, wie eine aggressive kleine Minderheit weltweit die Menschenrechte – und hier meine ich das Menschenrecht der Homosexuellen auf Gleichbehandlung – einzuschränken sucht. Ich sehe in diesem Sinne das Forum Deutscher Katholiken als Feind einer offenen und freien Gesellschaft. Dass ausgerechnet ein Vertreter dieses Forums sich gegen die EKD auf die Falsifizierungsthese von Karl Popper beruft ist wirklich eine Beleidigung des kritischen Rationalismus und lässt fragen, ob der Betreffende begriffen hat, was diese These besagt. Karl Popper ist ein dezidierter Vertreter einer offenen Gesellschaft und damit ein Kritiker dessen, was der konservative Katholizismus mit seiner Ausgrenzung der Homosexuellen intendiert. Deshalb war für Popper die strikte religiöse Neutralität der Gesellschaft wichtig.

Dass konservative Vertreter der katholischen Kirche im Konzert mit Vertretern der Evangelikalen nun ernsthaft meinen, der Evangelischen Kirche vorwerfen zu müssen, diese halte sich nicht an Schrift und Bekenntnis, ist lachhaft. Da würde ich doch vorschlagen, lieber gründlich vor der eigenen Tür zu kehren.

Warum aber diese panikartigen Attacken auf ein Papier der EKD? Der konservative Katholizismus erkennt, dass er mit seinen Positionen in unserer freien Gesellschaft keine Rolle mehr spielt. Nicht einmal die Katholiken selbst halten sich an katholische Regeln zur Sexualmoral – weder in Sachen Kondomgebrauch, vorehelicher Geschlechtsverkehr, Scheidung usw. Dieses ganze Gebäude der Identifizierung von Religion mit Moral ist in sich zusammengestürzt. Selbst die CDU hat erkannt, dass dieser Konnex uns nicht weiterbringt. Da aber nicht sein kann, was nicht sein darf, wird nun alles niedergemacht, was andere Positionen vertritt. Und es reicht offenkundig nicht zu sagen, ich denke anders, sondern man muss dem anderen auch noch grundsätzlich seine Position bestreiten. Helfen wird das den konservativen Katholiken aber auch nicht: Tempora mutantur, nos et mutamur in illis.

08 Juli 2013