01 August 2015

Heft 96 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Spiritualität

und enthält folgende Beiträge
 
EDITORIAL

VIEW

„Der Teufel trägt Prada“
Rokoko oder: Das lockere Spiel
mit symbolischen Formen
Andreas Mertin

Sakrale Inszenierungen
Eine Rezension
Andreas Mertin

Sakral – Religiös – Spirituell?
Oder doch nur: als bedeutungsvoll beschrieben?
Andreas Mertin

Hallelujah! Theologische Marginalien
über einen Song von Leonard Cohen
Wolfgang Vögele

Müssen wir alle sterben?
Kindertheologie eines Vaters und bissige Pastorinnenkritik
Hans-Jürgen Benedict

Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses
Narrative Funktionsbindungen des Motivs „Leichenüberführung“ im Spielfilm
Hans J. Wulff

RE-VIEW

Unterwegs zum Sinn
Eine Typologie von Pilgernden
Frank Hofmann

Schweben
Wieso in der Kunst gelingt, was im Leben so schwer ist. Eine Predigt
Hans-Jürgen Benedict

Märchen und Geschichten
Notizen zu aktuellen Gute-Nacht-Geschichten über Kunst und Kirche
Andreas Mertin

Analog – Digital – Monumental II
Bild-Annäherungen. Eine Ergänzung
Andreas Mertin

POST

I'm guided by the beauty of our weapons
Vorstellungen ausgewählter Videoclips XLIV
Andreas Mertin

Was ich noch zu sagen hätte ...
Das Blogsurrogatextrakt XII
Andreas Mertin

13 Juli 2015

EKD gegen das Alte Testament

Die Evangelische Kirche hat mit deutlichen Worten die Zerstörung von Bildern, wie sie im Alten Testament in Richter 6, 25ff. zum Ausdruck komme, verurteilt. Auch eine unmittelbare Aufforderung Gottes, Kultbilder zu zerstören, rechtfertige es nicht, diese anzugreifen und Gottes Wort zu folgen: „Im Themenjahr zu ‚Bild und Bibel‘ stellen wir fest, dass die Bilder in vielfältigsten Formen seit langem Ausdruck evangelischer Frömmigkeit geworden sind. Die Zerstörung von Bildern lehnt die Evangelische Kirche ab“. Hier gelte die religiöse Befindlichkeit mehr als die Heilige Schrift. An dieser Stelle sei das protestantische „sola scriptura“ aufgehoben. Gerade das Gespräch mit den orthodoxen Glaubensbrüdern mache der Evangelischen Kirche deutlich, wie wichtig es gewesen sei, das Zweite Gebot abzuschaffen und an dessen Stelle die Verehrung der Bilder zu setzen. 

Soweit zum Kapitel „Protestantische Realsatire“. Alles Weitere unter Dialog mit Ökumenischem Patriarchat zur Bedeutung von Bildern.

23 Juni 2015

Gefängnis als Motivation

Ja, so haben es die Herrschenden vom Anbeginn der Zeiten sich schon immer gedacht: Man muss den Künstler ab und an ein Gefängnis zeigen, dann fühlen sie sich gleich viel mehr motiviert! Aus dieser bitteren Lehre möchte der Protestantismus 2017 in Wittenberg eine Tugend machen, wie in der Zeitschrift zeitzeichen nachzulesen ist:

> .... Hinter ihm das alte Gefängnis, seit den Siebzigerjahren außer Betrieb und heute leerstehend. Es soll im Reformationssommer 2017 zum Künstlerhaus werden, so Schneiders Vision: "40 Künstler arbeiten über Luther und setzen sich mit Luther auseinander." Dies alles soll in Zusammenarbeit mit der documenta in Kassel geschehen, die 2017 zeitgleich zur Weltausstellung Reformation stattfindet. Etwas zerfallen wirkt es schon, das alte Gefängnis. Egal, so eine Atmosphäre wirkt auf Künstler in der Regel beflügelnd. Das wird toll. <

Unbestritten, man muss sie nur ins Gefängnis stecken, die Künstler. Wirkt echt beflügelnd. Toll.

Im Herbst letzten Jahres schrieb ich in der gleichen Zeitschrift:

> Ein Lackmustest für die Bemühungen der Evangelischen Kirche um Kunst im Gefolge des Themenjahrs „Bibel und Bild“ scheint mir daher zu sein, was sie 2017, in dem Jahr, in dem das Reformationsjubiläum, die documenta in Kassel und die Biennale in Venedig zusammenfallen, der Kunst anzubieten hat. Denn wir feiern 2017 nicht nur 500 Jahre Reformation, sondern, wie Hans Belting in seinem Buch „Bild und Kult“ deutlich gemacht hat, auch 500 Jahre freie Kunst nach dem Ende der Kultbildzeit. Ich bin gespannt auf die kirchlichen Aktivitäten zu dieser Koinzidenz und hoffe, es wird nicht nur der Blick zurück auf den Beitrag Cranachs zur Reformation, sondern auch der Blick zur Seite und nach vorne auf die Gegenwart und Zukunft der Kunst sein. ... Aber bitte: keine Kultbild-Ausstellung „Martin Luther in der zeitgenössischen Kunst“. <

Es hat nicht sollen sein, die Evangelische Kirche hat den Lackmustest kultureller Zeitgenossenschaft nicht bestanden. Mal sehen, was die Künstler im Gefängnis der narzistischen Selbstbespiegelung der Evangelischen Kirche zustande bringen. Vergleichsmaßstab wird dann aber vermutlich nicht die documenta oder die Biennale sein, sondern die Staatskunst der DDR zum Lutherjubiläum 1983.



13 Juni 2015

Rothko als Baselitz

Es gehört ja zu den betriebsinternen Witzen des Kunstsystems, dass in einem Museum ein Kunstwerk der Moderne aus Versehen verkehrt herum, also auf dem Kopf aufgehängt wurde. Spätestens seit der Abstraktion ist es ja auch gar nicht so einfach, sich zu orientieren.

Die Evangelische Kirche in Deutschland hat es nun bei ihrer neuesten Denkschrift geschafft, diesen Effekt zu reproduzieren, sozusagen Mark Rothko auf den Kopf zu stellen (wie manchmal die Welt in der Kunst eines Georg Baselitz). Ist ja auch schwer zu erkennen, wo hier oben und unten ist und in der EKD verfügt man sicher nicht über einen Internetanschluss, um das mal eben zu überprüfen. Die Kunst selbst kommt natürlich in der Denkschrift nicht vor (obwohl sie seit der Romantik durchaus als Kunstreligion zu den religiösen Ausdrucksformen zählt), nur das Wort "Kunst" kommt einmal vor, nämlich als Kunst, etwas Bestimmtes zu können. Ja, Können ist eine Kunst - aber Kunst aufhängen können sie definitiv nicht.

Man kann sich nun fragen, wie man überhaupt auf Mark Rothko im Kontext dieser Denkschrift gekommen ist. Sachlich hätte sich ja ein Bild aus der Rothko-Kapelle in Houston angeboten, die seit Jahrzehnten dem interreligiösen Gespräch dient. Aber das Bild "Nr. 10" hängt im MOMA und hat erkennbar wenig mit der Sache zu tun. Obwohl .... wenn man die Größenordnungen der Farbfelder zueinander nimmt ... Aber so viel Symbolismus werden sie dann doch nicht betrieben haben.

P.S.: Aber man könnte es anhand des Kommentars des MOMA ja mal versuchen: "The irregular patches of color characteristic of the artist’s Multiform paintings of 1948 seem to have settled into place on this canvas, which Rothko divided horizontally into three dominant planes of color that softly and subtly merge into one another. ... He explained, "The progression of a painter's work, as it travels in time from point to point, will be toward clarity: toward the elimination of all obstacles between the painter and the idea, and between the idea and the observer."

01 Juni 2015

Heft 95 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Dante Alighieri

und enthält folgende Beiträge
 
EDITORIAL

VIEW

Die Welt, aus dem Jenseits betrachtet
Einige Bemerkungen über Dantes Commedia, Theologie und Kunst
Wolfgang Vögele

L’inferno - 1911
Die erste Verfilmung von Dante
Andreas Mertin

The World of Dante
Der Göttlichen Komödie auf der Spur
Andreas Mertin

Die Hölle aneignen
Eine religionspädagogische Anregung
Andreas Mertin

RE-VIEW

Analog - Digital - Monumental
Bild-Annäherungen
Andreas Mertin

Tiefenbohrungen im Zettelkasten
Zu Hans Blumenberg, Rigorismus der Wahrheit
Wolfgang Vögele

Glaubens-TÜV
Eine Rezension
Horst Schwebel

Die Herrlichkeit der Kunst
Eine Predigt zu Psalm 40, 4
Carl Jatho

Politische Predigt als Information zu einer bestimmten sozialen oder politischen Situation.
Eine persönliche Vergewisserung
Hans Jürgen Benedict

Diakonie als Hilfe zu gelingendem Leben
Hans-Jürgen Benedicts Fazit als Hochschullehrer
Ulfrid Kleinert

POST

Kurz und Gut IV
Vorstellungen ausgewählter Kurzfilme: Zur Hölle!
Andreas Mertin

Pack die Gucci-Tasche ein, die Apokalypse kommt!
Vorstellungen ausgewählter Videoclips XLIII
Andreas Mertin

Was ich noch zu sagen hätte ...
Das Blogsurrogatextrakt XI
Andreas Mertin

01 April 2015

Heft 94 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Religion auf der Spur

und enthält folgende Beiträge
 
EDITORIAL

VIEW

„Es ist, als ob Gott dich direkt ansieht.“
Auf den Spuren der Herrlichkeit Gottes im Kino
Jörg Herrmann

Horizonte und Transzendenzen
als Aspekte der Bildenden Kunst
Andreas Mertin

„Social Media – Glaube in der digitalen Welt“
Eine Internetanalyse und ihre Folgen für die Nordkirche
Kornelius Fürst

Meine Kirche mal anders?
Kirche und Internet - Diagnosen und Therapien im Vergleich
Andreas Mertin

Abschied von Goldenem Kalb und Weihnachtsmann
Versuch über einen denk-würdigen und sinn-vollen Kern (m)eines christlichen Glaubens
Volker Lingnau

Dogmatische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme?
Arbeitsbericht zur Neuauflage der Bekenntnisschriften in der Badischen Landeskirche
Wolfgang Vögele

Religionssoziologie
Über Vernunftreligion, Nationalreligion, Kunstreligion, Wissenschaftsreligion und den Glauben an Verfahren
Andreas Mertin

Tempel, Synagoge, Kirche, Moschee
Ein sakralraumpädagogischer Vergleich
Temple, Synagogue, Church, Mosque
A comparative study of the pedagogy of sacred space
Kim de Wildt

Grober Klotz, grober Keil
Bremer Religions-Geschichten
Andreas Mertin

RE-VIEW

Der Ziegelstein
Bemerkungen zu Thomas Wolfe: Von Zeit und Fluss
Wolfgang Vögele

Kreuzzüge oder: Vom Kampf ums Paradies
Eine Buchvorstellung
Andreas Mertin

Wie soll der Fromme leben?
Der Koran - Eine Buchvorstellung
Andreas Mertin

Handbuch der Evangelischen Ethik
Eine Buchvorstellung
Andreas Mertin

POST

Kurz und Gut III
Vorstellungen ausgewählter Kurzfilme: Ach, Gott
Andreas Mertin

Was ich noch zu sagen hätte ...
Das Blogsurrogatextrakt X
Andreas Mertin

01 Februar 2015

Heft 93 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Kultur

und enthält folgende Beiträge
 
EDITORIAL

VIEW

... rien ne va plus ... ?
Kirche und Kultur
Andreas Mertin

"S'ils n'ont pas de pain, qu'ils mangent de la brioche"
Ein Einwurf zum immer noch beliebten Biblia-pauperum-Argument
Andreas Mertin

Zwischen Unermesslichkeit und Sinnentwürfen
Alter, Sterben und Tod im Film
Hans J. Wulff

Verdichteter Glaube
Religion und Literatur bei Goethe, Hebel und Wagner
Wolfgang Vögele

Bildungs-Gang
Bildung in F.C. Delius' Erzählung "Bildnis der Mutter als junger Frau"
Christian Göbel

Den Vater durchs Leben tragen
Über Väter und das Vater-Buch von Botho Strauß
Wolfgang Vögele

„Die Stimme des Herrn im Feuer“
Hamburgs Katastrophen und ihre theologische Deutung
Hans-Jürgen Benedict

RE-VIEW

Sperrgebiet
Zur Kunst von Mike Nelson
Karin Wendt

Wann wird Dostojewskijs Polyphonie theologisch endlich rezipiert?
Eine Rezension
Hans-Jürgen Benedict

Unter Beteiligung VII
Kurzvorstellungen
Andreas Mertin

POST

Was ich noch zu sagen hätte ...
Das Blogsurrogatextrakt IX
Andreas Mertin

Verschwörungen, wohin man nur blickt
Eine Liste
Andreas Mertin

01 Januar 2015

24 Dezember 2014

01 Dezember 2014

Heft 92 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Globalisierung der Religionen

und enthält folgende Beiträge
 
EDITORIAL

VIEW

Interreligiöse Orientierungen
Im Kontext global sich erweiternder Glaubenstraditionen
Reinhard Kirste

Das Zeitalter des globalen Dialogs
Leonard Swidler

Nicht jenseits von Religion
Zum theologischen Vorschlag der Internationalen Theologischen Kommission von EATWOT für ein post-religionales Paradigma.
Reinhard Kirste

Pilgern als globales Phänomen
Das Beispiel des Jakobsweges
Reinhard Kirste

Die Rolle der Religionen im konvivialistischen Manifest
Eine Beobachtung
Andreas Mertin

Was kommt nach dem Abschluss der christlichen Theologie?
Paul Schwarzenau

Ausbruch aus dem Diesseits?
Zu den Anzeichen einer neuen Religiosität
Paul Schwarzenau

RE-VIEW

Ein-Sichten
Ausgewählte Literatur zum Heftthema
Reinhard Kirste

Christentum und Islam
Ein Handbuch
Andreas Mertin

1848: Manifest des freien Urchristenthums
Eine Erinnerung
Andreas Mertin

Rilkes Stundenbuch
Neu erhört und zur Sprache gebracht
Harald Schroeter-Wittke

Small is beautiful
Eckhart Marggraf

Von Psychiatern und Nationalsozialisten
Eine Buchbesprechung
Andreas Mertin

POST

Launischer Esel
Eine Posse
Andreas Mertin

Das verletzte Gefühl
Eine unendliche Geschichte
Andreas Mertin

Notizen VIII
Ein Blogsurrogatextrakt
Andreas Mertin

01 November 2014

Religion und Kirche

"Religion existiert nur noch partiell als selbstverständliches Symbolsystem. Der Graubereich des Unausgesprochenen, Unaussprechbaren ist heute größer als in früheren Epochen. Und gerade deshalb müssen wir uns einen Reim darauf machen. Es ist unverantwortlich, wenn Dogmatik und Kirche darüber einfach hinweggehen." Ulrich Barth im Interview der FAZ

Das ganze Interview hier.

Weitere Schriften von Ulrich Barth:

29 Oktober 2014

Keine Religion außerhalb der Kirche?

Im aktuellen Pfarrerblatt habe ich einen interessanten Aufsatz von Georg Raatz gefunden, der sich mit den Deutungen und der Bedeutung der fünften Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche beschäftigt. Sie war ja unter dem Stichwort "religiöse Indifferenz" vermarktet worden und wurde stellenweise als "Ende des liberalen Paradigmas" gedeutet. Raatz geht dieser Deutung nach und stellt sie mit guten Argumenten in Frage.

Der Text von Georg Raatz "Zwischen Entdifferenzierung und Selbstimmunisierung" lässt sich online abrufen.

02 Oktober 2014

Protestantismus und Bild

Wenn in einer Broschüre zum Thema Bibel und Bild vier Mal Leni Riefenstahl, drei Mal Gustav Dore und kein Mal Ernst Barlach, Joseph Beuys, Andy Warhol, Marc Roth­ko oder Barnett Newman, geschweige denn Bruce Naumann, Gerhard Richter, John Baldessari, Cindy Sherman, Lawrence Weiner oder Sol LeWitt vorkommen, allenfalls ein in einer Kirche platziertes Werk von Anish Kapoor (und dann nicht einmal das aus der Dresdner Frauenkirche) – dann befinden wir uns im Herzen des Protestantismus 2015. Einer kunst- und bild-analphabetischen Religion – zumindest was seine Funktionärskaste angeht. Wenn statt eines Künstlers ein künstlerisch-tätiger Theologieprofessor, statt wirklicher Kunst ein Designbüro für die Kunst einsteht, dann merkt man, dass der Protestantismus in Sachen Bild seit Luther nichts dazu gelernt hat. Noch immer herrscht unter seinen Funktionären (von wenigen Ausnahmen wie Ralf Meister abgesehen) eine unmittelbare Verdinglichung der Kunst, eine Ingebrauchnahme der Bilder wie sie instrumenteller kaum gedacht werden kann. 
     „Bilder veranschaulichen die Zentralität Christi oder die Bedeutung der Predigt für die Gemeinde“ (Ratsvorsitzender Schneider) – darauf wird es wohl hinauslaufen. Es ist diese narzisstische Verliebtheit des Protestantismus in den Wortfetischismus, die einem den Atem raubt. Und auch die alte Erfahrung aus Pfarrerfortbildungen schlägt voll durch: der evangelische Pfarrer oder Professor kann alles selber und besser: malen, dichten, schriftstellern, musizieren. Den Differenzierungsgewinn der Moderne verachtet er, Autonomie ist ihm ein Gräuel. Und deshalb ist der Protestantismus auch so mittelmäßig. Aber man könnte es auch ehrlich nennen. 
     Das Titelbild der erwähnten Broschüre ziert ein grau-weißes Kreuz auf weißem Hintergrund, das in einem Pinsel endet. Banaler geht es nicht. Da lobe ich mir die Kunst der Gegenreformation, die protestantischer als der Protestantismus heute jemals sein kann, nach dem Verhältnis des Einzelnen zum Bild fragt, und auf deren Bildern Christus dezentriert platziert ist und der Betrachter in Gestalt des Malers ins Bild drängt. Und deshalb lautet mein Motto für heute: Zurbaran statt Cranach!

01 Oktober 2014

Heft 91 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Bild-Lektüren

und enthält folgende Beiträge
 
EDITORIAL

VIEW

Menschensohn
Eine biblische Wortverbindung, ins Gespräch gebracht mit Sigmar Polkes Glasfenster 'Der Menschensohn" oder: Warum mehr als eine Verstehensmöglichkeit „schriftgemäß“ ist
Jürgen Ebach

Gegen eine Welt von Feinden?
Warum mein Vater nicht über seine Teilnahme am Ersten Weltkrieg redete
Hans-Jürgen Benedict

Über die moderne Kunst
Paul Klee

RE-VIEW

Das durchscheinende Bild
Eine Rezension
Marc Weber

Bildende Kunst und Literatur
Ein Buch
Andreas Mertin

In stiller Nacht
Ein Volkslied entschlüsselt als Trauergesang Christi im Garten Gethsemane
Hans-Jürgen Benedict

Hester und Jim
Zur theologischen Aktualität zweier klassischer Romane
Wolfgang Vögele

Reformation statt Reförmchen
Eine Streitschrift zur Lage der Ev. Kirche in Deutschland
Harald Schroeter-Wittke

POST

Notizen VII
Ein Blogsurrogat
Andreas Mertin

06 September 2014

Provinzbischof

Manchmal kann man über die stupende Selbstkritik eine Blogwartseite wie kath.net nur erstaunt sein. Sicher, unmittelbar selbstkritisch äußern sie sich selten, aber im Rückschlussverfahren gibt es dann doch aufschlussreiche Urteile. Jüngst räumte kath.net Peter Winnemöller einen Gastbeitrag ein, in dem dieser sich über den Antwerpener Bischof Johan Bonny echauffierte. Und sowohl im Teaser wie im laufenden Text des Beitrages denunzierte Winnemöller Bonny als „Provinzbischof“. Wie kann man, so seine implizite Frage, nur einem solchem Bischof aus der Provinz Gehör schenken. Nun ist Antwerpen, wo Bonny Bischof ist, ja keinesfalls eine Provinzstadt. Sie ist nicht nur historisch eine der wichtigsten und bedeutendsten Städte Europas und mit über 500.000 Einwohner auch nicht gerade klein. Jedenfalls fragt man sich doch, wie kath.net, wenn sie denn dem Gastkommentar sogar im Teaser zustimmen, auf die Idee kommen kann, seit Jahren einem Weihbischof eine Textkolumne einzuräumen, der in einem Provinzstädtchen mit gerade einmal 146.000 Einwohner residiert. Muss das herabsetzende Urteil über den „Provinzbischof“ aus Antwerpen nicht um ein mehrfaches für den provinziellen Weihbischof gelten?

In der Sache selbst kann man den Kommentar von Winnemöller auch als vernichtende Kritik an Josef Ratzinger lesen. Winnemöller meint nämlich, für den Niedergang der Kirche und ihrer Lehre seien jene Professoren verantwortlich, die auf katholischen Lehrstühlen vor 40 Jahren tätig waren. Wenn ich es recht sehe, träfe das insbesondere auf Josef Ratzinger zu, der 1958 Professor wurde und bis zu seiner Ernennung zum Erzbischof 1977 als solcher tätig blieb. Als Papst Benedikt XVI. hat er dann Johan Bonny 2008 zum Bischof von Antwerpen ernannt. Wer da keine Zusammenhänge erkennt.

21 August 2014

Zur Geschichte der Barbarei II

Durch einen traditionalistischen Blog werde ich heute auf Isabella I. von Kastilien aufmerksam gemacht, von der die Traditionalisten hoffen, sie würde einmal heiliggesprochen. Wenn man sich fragt, warum, dann lautet die simple Antwort: weil sie zur Geschichte der Barbarei gehört, der gnadenlosen Verfolgung von Juden und Mauren.

"Auf Basis der 1478 von Papst Sixtus IV. erlassenen päpstlichen Bulle Exigit sincerae devotionis führten Isabella und Ferdinand die Inquisition in ihrem Reich ein. 1488 schufen sie den Consejo de la Suprema y General Inquisición. Überwiegend richtete sich die Inquisition gegen zum Christentum konvertierte Juden, die sogenannten Marranen, die verdächtigt wurden, insgeheim noch ihrem früheren Glauben anzuhängen. Mehr als die Hälfte, in Guadalupe etwa mehr als drei Viertel, aller so Angeklagten wurden zum Tode verurteilt und hingerichtet. Die Eroberung des Emirats von Granada im Januar 1492 bildete den Endpunkt der „Reconquista“ und damit der rund 700 Jahre dauernden Präsenz der Mauren in weiten Teilen der iberischen Halbinsel. In der Folge gingen Ferdinand und Isabella mit großer Brutalität gegen Juden und Muslime vor. Mit dem Alhambra-Edikt vom 31. März 1492 wurden alle Juden im Herrschaftsgebiet von Isabella und Ferdinand (Sephardim) gezwungen, entweder zum Christentum überzutreten oder das Land zu verlassen. Papst Alexander VI. verlieh dem Ehepaar 1494 den Titel der reyes católicos (Katholische Könige). 1502 folgte die Ausweisung der noch verbliebenen Muslime, was einen weiteren wirtschaftlichen und künstlerischen Aderlass bedeutete." [wikipedia]

20 August 2014

Zur Geschichte der Barbarei

Aus aktuellem Anlass der Hinweis auf ein Buch aus der Anderen Bibliothek, das einen Einblick gibt in die Geschichte der Barbarei.

Palmer, James (2010): Der blutige weiße Baron. Die erstaunliche Geschichte eines Adeligen, der zum letzten Khan der Mongolei wurde. Unter Mitarbeit von Nora Matocza und Gerhard Falkner. (Die Andere Bibliothek, 311).

Ein Vorschein der blutigen Exzesse des 20. Jahrhunderts.»Mein Name ist so sehr mit Haß und Angst verbunden, daß niemand beurteilen kann, was wahr und was falsch ist, was Geschichte und was Mythos.« Baron von Ungern-Sternberg, 1921. Der Geschichte des 20. Jahrhunderts mangelt es nicht an furchtbaren Despoten. Einer der grausamsten von ihnen ist der 1885 in Graz in eine deutsch-estnische Familie geborene und heute fast vergessene Nicolai Robert Max Baron von Ungern-Sternberg. Dieser im damaligen Reval aufgewachsene Aristokrat, der Antisemitismus, fromm-fanatischen Buddhismus und einen hasserfüllten Antikommunismus in sich vereinte, sah sich als Krieger-König und Nachfahre eines Dschingis Khan. Mit seiner Truppe aus Weißrussen, Sibirern, Japanern und Mongolen eroberte er 1920 die Mongolei. Während einer 130-tägigen Herrschaft ordnete er an, Kommissare, Kommunisten und Juden zusammen mit ihren Familien zu vernichten. Sein grausamer Kreuzzug gegen den Bolschewismus im russischen Bürgerkrieg sollte den Traum eines frühen Fundamentalisten verwirklichen: ein Großreich, das sich von China bis zum Ural erstreckt.

01 August 2014

Heft 90 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Das Heft trägt den Titel

Kirche und Theologie

und enthält folgende Beiträge

EDITORIAL

VIEW

Das Abendmahl der Aktenordner
Beobachtungen zum Verhältnis von Theologie und Kirchenleitung
Wolfgang Vögele

Glaube als Einstellung zum Wissen
Volker Gerhardt

Das Klima wird rauer
Religionspolitische Konfliktlagen in Deutschland
Rolf Schieder

Noldes „Martyrium“
Versuch einer Deutung
Eckhart Marggraf

RE-VIEW

Supermarkt der Religionen?
Von der Kirchendämmerung zur globalisierten Religion. Eine Rezension
Andreas Mertin

Emil Nolde
Eine Rezension
Eckhart Marggraf

Unser heutiges Zeitalter: ein liminales Zeitalter?
Our current age: a liminal age?
Kim de Wildt

Hättest du mich angesehn, Jochanaan, du hättest mich geliebt
Salome und Johannes der Täufer
Hans Jürgen Benedict

Auf Kurs zum Reformationsjubiläum?
Notizen zu einem Bildungsprojekt
Andreas Mertin

Unter Beteiligung VI
Kurzvorstellungen
Andreas Mertin

POST

Ugly Americans
Architekturkritik im Stil von Francis „Frank“ Grimes
Andreas Mertin

Kurz und gut II
Vorstellungen ausgewählter Kurzfilme: Stress
Andreas Mertin

Notizen VI
Ein Blogsurrogat
Andreas Mertin