24 Februar 2008

Politische Raumtypen

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunstgeschichte der Universität Karlsruhe plant die Guernica-Gesellschaft ein Symposion zum Verhältnis von Raum und Politik im 20. Jahrhundert. Ausgegangen wird von der zu diskutierenden These, dass bereits Grundformen des Raumes eine spezifisch politische Wirkungsmacht entfalten.

Exposés können bis zum 6. April 2008 eingereicht werden.

Politische Raumtypen - Zur Wirkungsmacht öffentlicher Bau- und Stadt-Strukturen im 20. Jahrhundert, 11. -12. Juli 2008, Eiermann-Hörsaal, Kunsthistorisches Institut, Englerstraße 7, Karlsruhe

07 Februar 2008

ZEITEN und RÄUME

Noch bis zum 24. März 2008 ist im Neuen Kunsthaus Ahrenshoop die Ausstellung "Zeiten und Räume" zu sehen. Sie ist Teil einer Reihe zum Thema "Distanzen - Dinge und Räume in der aktuellen Fotografie und den neuen Medien". Natascha Borowsky, Claudio Pfeifer, Chris Durham, Ingo Gerken, Geissler & Sann, Philipp Geist und Christian Wolter zeigen Arbeiten aus den Bereichen Fotografie, Video, Computer und Installation.

Abb.: Ingo Gerken

06 Februar 2008

Meisner wiederholt sich

Als wahr gelte heute "was der Mehrheit entspricht, auf allen Gebieten, auch auf dem Gebiet der Kunst", kritisierte Kardinal Meisner in seiner Predigt zum "Aschermittwoch der Künstler" 2008 in der Kölner Kirche St. Maria im Kapitol. Wahrheit sei aber "etwas Vorgegebenes", nämlich das, was Jesus Christus gelehrt habe. Hier dürften Christen "keine falsche Bescheidenheit" zeigen.

"Wahrheit ist nicht relativ, Wahrheit gibt es auch nicht im Plural, Wahrheit ist keine Mehrheitsfrage, sie ist oder sie ist nicht", meinte Meisner. Wenn alles gleich wahr sei, dann sei alles auch gleich falsch, "und dann macht am Ende jeder, was er will."

Vgl. dagegen: Horst Schwebel, "Wahrheit der Kunst - Wahrheit des Evangeliums. In: Mertin, A./Schwebel, H. (Hg.). Kirche und moderne Kunst. Eine Dokumentation. Frankfurt 1988. S.135-145.

Vielleicht sollte Meisner aber auch ganz einfach nur ein paar Lehrstunden in Konstruktivismus nehmen.

01 Februar 2008

Heft 51 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Heft 50 des Magazins für Kunst | Kultur | Theologie | Ästhetik trägt den Titel

Lektüren

Es enthält folgende Beiträge

EDITORIAL

VIEW

Bibel lesen
Private Notizen
Andreas Mertin

Denn sie wissen, was sie tun
Der Editwar um die Bibel in gerechter Sprache in der Wikipedia
Von 83.135.217.80

Film-Idyllen zwischen Sehnsucht und Käuflichkeit
Anmerkungen zu A Good Year
Hans J. Wulff / Ina Wulff

Zwischentöne
Anmerkung zu Sloterdijks "Eifer"
Markus Mürle

RE: VIEW

Du bist mein
Eine kleine Beobachtung
Andreas Mertin

Die Menschheit ist religiös
Eine Rezension
Christoph Fleischer

Gescheiterte Digitalisierung
Eine Kritik der CD-ROM-Ausgabe der Bibel in gerechter Sprache
Andreas Mertin

Die Welt ist eine Scheibe
Digitale Bibliotheken
Andreas Mertin

POST

Banaler Ikonoklasmus
Aus der Wohnstube des Christentums
Andreas Mertin

Notwendige Fremdheit
Ein Plädoyer für vielfältige Bibellektüren
Andreas Mertin

08 Januar 2008

Wiener Kulturgut

Wien Kulturgut - der neue digitale Kulturgüterkataster der Stadt Wien - ermöglicht den Zugang zu wesentlichen Identitätsmerkmalen der Stadt: Umfangreiches Kartenmaterial zeigt die kulturgeschichtliche und stadtplanerische Entwicklung Wiens von der Frühzeit bis in die Gegenwart. Detaillierte Informationen über verschiedene Kulturgüter (Gebäude, Denkmäler, archäologische Objekte, Kunstwerke, ...) können auch über Suchformulare abgerufen werden.

http://www.wien.gv.at/kultur/kulturgut/

Leben in Münster II

1998 hatte Christian Hasucha in der Galerie des Fördervereins Aktuelle Kunst in Münster Fotoleinwände mit Siedlungsansichten ausgestellt. Jede Leinwand hatte in der Bildmitte eine Aussparung für ein Buch, das jetzt, zehn Jahre später, eingesetzt werden soll. Die Bücher hatte Hasucha 1998 an zwölf Bewohner mit der Bitte verschickt, sie als Notiz- oder Tagebücher zu verwenden und zehn Jahre lang den Blättern Niederschriften über ihr Leben in der Stadt anzuvertrauen. 2008 bekommen die Teilnehmer nun die „fertigen" Bilder mit ihren eingefügten Büchern überreicht.

Zur damaligen Ausstellung vgl. Karin Wendt: Leben in Münster. Ein Projekt von Christian Hasucha. Ansichten einer Siedlung

06 Januar 2008

Mut zur Vergänglichkeit

... fordert Philipp Blom in der ZEIT unter der Überschrift "Schafft die Museen ab!" Und er schreibt: "Was hat sich geändert? Wir haben uns geändert. Die Mittelklasse hat triumphiert, eine Klasse ohne Vergangenheit, dazu verdammt, über die eigene Schulter zu sehen. Von keiner Tradition gestützt, entdeckte das Bürgertum nicht nur seine Macht, sondern auch seine Schwerelosigkeit im Raum der Geschichte, und eine große Vergangenheit wurde zum notwendigen Ballast ... Eine »fette Zeit der Kulturgeschichte«, eine »goldene Zeit«? Nicht Maler und Schriftsteller, Musiker und Schauspieler vergolden diese Epoche, sondern Museen und Konzertsäle – Institutionen also, die Kunst verwalten und vermitteln, nicht aber schaffen ...Unser Umgang mit der Vergangenheit erinnert auf fatale Weise an das wissenschaftliche Team, das sich um Lenins einbalsamierten Leichnam kümmerte: Geschminkt und mit Chemikalien vollgepumpt, galt die Mumie den Genossen als Beweis, dass es die geniale Epoche wirklich einmal gegeben habe. In seiner posthumen Erstarrung war nur noch wichtig, dass der Verfall nicht fortschritt."

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24 Dezember 2007

Frohe Weihnachten!


... wünscht Ihnen tà katoptrizómena
das Magazin für Kunst, Kultur, Theologie und Ästhetik

17 Dezember 2007

Geschichte



Tadao Andō - Sayamaike Historical Museum, Osaka, Japan

Mehr zu Ando ...

Die Dinge

"Natürlich konnten sie auch von anderen Dingen reden, von einem kürzlich erschienenen Buch, von einem Filmregisseur, vom Algerienkrieg oder von den anderen, doch manchmal kam es ihnen vor, daß ihre einzig wirklichen Gespräche das Geld, den Komfort, das Glück betrafen. Dann wurde der Ton lauter, die Spannung wuchs. Sie sprachen, und beim Sprechen spürten sie all das, was sie an Unmöglichem, Unzugänglichem, Verhängnisvollem in sich trugen. Sie verloren die Nerven; [...] es schien ihnen, daß ihr wirkliches Leben auf einmal im wahren Licht zu Tage trat, als etwas Unbeständiges, Nichtexistentes. Dann schwiegen sie, und ihr Schweigen war voller Groll; [...] Auf der Straße glitten die Autos langsam an ihnen vorbei. Auf den Plätzen flammten nacheinander die Neonreklamen auf. Auf den Caféterrassen glichen die Menschen zufriedenen Fischen."

Aus: Georges Perec, Die Dinge.

16 Dezember 2007

Bashing II

Die ZEIT versucht eine andere Form der Religionskritik: Nicht die Religion selbst ist es, die zu kritisieren ist, sondern ihr Personal. Nicht einmal mehr predigen können sie. Statt wortgewaltig zu Weihnachten mit den Gottesdienstbesuchern zu schimpfen, sind sie allzu milde: "Das Enttäuschendste an Weihnachten ist ja alle Jahre wieder eine Weihnachtspredigt, die nicht der Glaubenskontroverse, sondern bloß der feierlichen Selbstvergewisserung und der kollektiven Seelenwellness dient." Und so stünde es mit der Kirche und der Religion ganz anders, wenn die Kunst der Predigt beherrscht würde. Kunstvoll muss die Predigt sein.


Ja, so hätten sie's gerne, die Kulturmenschen, wie Eduard Norden bereits süffisant für die Situation der antiken Prediger angemerkt hat: "Die Gebildeten gingen damals mit denselben Erwartungen in die Kirche wie in den Hörsaal des Sophisten: sie wollten sich einen Ohrenschmaus verschaffen, ein Stündchen angenehmer Unterhaltung, und viele Prediger waren ihnen darin allzu willfährig". Alles, nur nicht kunstlos darf die Predigt sein.

Was die Autorin in der ZEIT vergisst: noch die kunstvollste Predigt bewirkt keinen Glauben.

Notabene sei angemerkt: Das Enttäuschendste am Feuilleton zu Weihnachten ist ja alle Jahre wieder ein Religionsbashing, das nicht der Glaubenskontroverse, sondern bloß der feierlichen Selbstvergewisserung und der Seelenwellness von Feuilletonisten dient. Amen.

Bashing I

Pünktlich zur Weihnachtszeit gibt's im deutschen Feuilleton das unvermeidliche Religions-Bashing. War es jahrzehntelang der SPIEGEL mit seiner Weihnachtsausgabe, in der uns versichert wurde, mit dem Christentum ginge es nun aber endgültig bergab, so haben dieses Jahr die journalistischen Konkurrenten gleichgezogen bzw. vorgezogen, diese Aufgabe zu übernehmen.

In der WELT ist es Chefkommentator Alan Posener, der unter der Überschrift "Warum Gott kein moralisches Vorbild ist" seine krausen Gedanken zu Papier bringt. Ehrlich gesagt, habe ich beim ersten Lesen des Artikels überhaupt nicht verstanden, was er uns sagen will. Schon die Überschrift ist ja etwas merkwürdig. Wer hat je gesagt, dass Gott ein moralisches Vorbild sei? Vorbilder sind in der biblischen Tradition in aller Regel Menschen und wenn sie als solche charakterisiert werden, wird sofort hinzugefügt, worin sie fehlen.

Für Posener ist Gott kein moralisches Vorbild, weil er nach der biblischen Tradition ziemlich merkwürdige Dinge von den Menschen verlangt (und dabei zählt Posener nicht einmal annäherungsweise die verfügbaren Merkwürdigkeiten auf - da könnte ihm jeder Theologe weiterhelfen.) Sicherheitshalber charakterisiert Posener die Bibel als fiktionale Literatur - um dann aufzuzeigen, dass diese fiktionale Literatur nicht für die Moral taugt. Selbst wenn man ihm darin folgt, gehörte doch in einem zweiten Schritt dazu, zu bestimmen, um welche Gattung fiktionaler Literatur es sich handelt. Hier dürften Atiologien doch anders bewertet werden als Märchen, dokumentarische Literatur wiederum anders als Poesie. Genau das aber unterlässt der Kommentar. Wie er überhaupt die Frage unerörtert lässt, warum überhaupt fiktionale Literatur als moralischer Stimulus gelten sollte. (Da schimmert ein altes Argument von Schiller durch: die ästhetische Erziehung der Menschheit.) Dass ein guter Teil der inkriminierten Stellen gerade dazu dient, humanes Verhalten in Gang zu setzen - diese Erkenntnis unterschlägt Posener.

Besonders wirr wird es, wenn Posener auf den Gott des Alten Testaments schimpft, um dann aufzuzeigen, dass der moralisch scheinbar integerere Gott des Neuen Testaments kein besseres Verhalten bei den Christen in Gang setzt. Offensichtlich scheint die literarische Charakteristik eines Gottesbildes in keiner Beziehung zum moralischen Verhalten der Menschen zu stehen. [Wie ja auch die fiktionale Literatur des Humanismus keine bessere Menschen geschaffen hat.]

Poseners Lösung ist dann wirklich Realsatire: wir brauchen keine Religion, weil wir genetisch auf Nächstenliebe programmiert sind: "Wären wir nicht genetisch vorprogrammiert, uns sozial zu verhalten, wir wären längst ausgestorben. Die menschliche Moral kommt vor der Religion." Angesichts der Geschichte der Menschheit müssen das aber ziemlich schwache Gene sein. Diese Mär von der altruistischen Programmierung ist auch nichts anderes als: fiktionale Literatur.

11 Dezember 2007

Duchamp, Man Ray, Picabia

Die Ausstellung Duchamp, Man Ray, Picabia in der Tate Modern soll dem Besucher einen einmaligen und beeindruckenden Einblick in die künstlerische Beziehung und Freundschaft der drei größten Figuren der Kunst des frühen 20igsten Jahrhunderts, Marcel Duchamp, Man Ray und Francis Picabia erlauben.

Zusammen schufen sie in New York, während des ersten Weltkrieges, die berühmte Dada-Bewegung. Ihre Freundschaft, welche in der Geschichte der modernen Kunst ungewöhnlich war, hielt über einen langen Zeitraum hinweg mit wechselnder Intensität stetig an. Das Herzstück ihrer Freundschaft war ihre gemeinsame Lebensauffassung, welche auch in ihren Werken entweder mit Humor, Ironie oder in bildstürmerischen Gesten immer wieder zum Ausdruck kam. Deutlich tritt in den Werken, wenn auch oft verschlüsselt, das Interesse an sexuellen Beziehungen und Erotik hervor. Die Ausstellung Duchamp, Man Ray, Picabia setzt sich als Ziel die verschiedenen Affinitäten und Parallelen in den Werken der drei Künstler sichtbar zu machen, um zu zeigen wie ihre Ideen und Innovationen sich gegenseitig beeinflussten.

21. Februar 2008 - 26. Mai 2008

Tate Modern, 4 Etage
Jeden Tag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet.
Freitag und Samstag bis 22.00 Uhr geöffnet.

10 Dezember 2007

Schaufenster 2



Another animation painted on wall.
http://www.blublu.org

Schaufenster



Wall-painted animation by Blu
Made at the Jonathan Levine gallery (NY)
November 2007

08 Dezember 2007

Karlheinz Stockhausen (1928-2007)

"Die gesamte Arbeit von Stockhausen kann als Versuch aufgefaßt werden, Möglichkeiten musikalischen Zusammenhangs in einem vieldimensionalen Kontinuum zu erproben. Solche Souveränität, die in einer unabsehbaren Mannigfaltigkeit von Dimensionen es gestattet, Zusammenhang zu stiften, schafft von innen her die Verbindung der Musik mit Visuellem, mit Architektur, Plastik und Malerei."
(Theodor W. Adorno, Die Kunst und die Künste).

"Die Krise des Sinnzusammenhangs als eines phänomenal, in der Tuchfühlung seiner Teile wahrnehmbaren Ganzen hat die seriellen Komponisten nicht dazu verführt, den Sinn einfach zu liquidieren. Stockhausen hält ihn, den unmittelbar apperzipierbaren Zusammenhang, als einen Grenzwert fest. Von ihm führte ein Kontinuum bis zu solchen Strukturen, die der gewohnten Weise des Sinn Hörens, also der Illusion der Notwendigkeit von Klang zu Klang, sich versagen. Sie lassen nur noch etwa so sich auffassen, wie das Auge die Fläche eines Bildes als ganze überschaut."
(Theoder W. Adorno, Voraussetzungen)

06 Dezember 2007

Dokumentarfilmpreis "Erinnerung und Zukunft"

Die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" und goEast schreiben im Rahmen des Festivals erstmals den mit 10.000 € dotierten Dokumentarfilmpreis "Erinnerung und Zukunft" aus. Zukunft kann gestalten, wer die Vergangenheit nicht ausblendet. Mit dem Preis sollen Regisseure gewürdigt werden, die sich kritisch und konstruktiv mit gesellschaftlichen Entwicklungen in ihren Ländern auseinander setzen und dabei Zukunftsperspektiven aufzeigen. In dem Filmfestival goEast findet die Stiftung eine lebendige Plattform für die Verständigung zwischen den Völkern. Beide Partner sehen die Gattung Dokumentarfilm als ein Medium an, das große Leistungen in der Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse vollbringen und zugleich Motor für Entwicklungen sein kann. Eingereicht werden können aktuelle Dokumentarfilme ab einer Länge von 30 Minuten aus den postkommunistischen Ländern Mittel-, Ost- und Südosteuropas einschließlich der Republiken der ehemaligen Sowjetunion. Eingeladen zur Einreichung sind außerdem Filme, die in Deutschland oder Israel produziert wurden, aber einen klaren Bezug zu Mittel- und Osteuropa haben, sei es durch die Herkunft des Regisseurs und/oder das Thema des Films. Aus allen Einreichungen werden sechs Dokumentarfilme ausgewählt, die vom 9. bis zum 15. April 2008 in Wiesbaden zu sehen sein werden. Die Regisseure präsentieren ihre Filme persönlich im Kino, und es besteht bei abendlichen Filmgesprächen Gelegenheit zur ausführlichen Diskussion mit dem Publikum.

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02 Dezember 2007

Heft 50 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Heft 50 des Magazins für Kunst | Kultur | Theologie | Ästhetik trägt den Titel

Blick zurück nach vorn

Es enthält folgende Beiträge:


EDITORIAL

VIEW

Liturgisches Konzert
Harald Schroeter-Wittke

Theologische Ästhetik und deutscher Idealismus
Schellings Kunstphilosophie und das Bilderverbot in der Bibel
Björn Pötters

Revisited
The Baghdad Museum Project
Karin Wendt

Der hedonistische Rebell und der Heilige der Mittelmäßigen
Zu Miloš Formans „Amadeus“
Karsten Visarius

RE: VIEW

Wien - Paris
Zur Ausstellung "Van Gogh, Cézanne und Österreichs Moderne 1880-1960“
Andreas Mertin

Suprematism rewind
Oder: Wie erklärt man dem Menschen die Gegenstandslosigkeit?
Karin Wendt

Horst Schwebel im Gespräch mit ...

POST

Ripuarische Avantgarde
Episoden
Andreas Mertin

POST IT

Katoptrizomena - Weblog des Magazins mit aktuellen Notizen

Lektüren - Auf dem Tisch der Redaktion

Glyphen - Termine, Ausstellungen, Events rund um das Thema "Kunst und Kirche"

Kunstnotizen - aus der Presse

Blackbox

30 November 2007

Sancta simplicitas oder: intensive Nebelschwaden

Für einen intensiveren Dialog zwischen Kunst und Kirche, so meldet die Nachrichtenagentur idea, hat sich die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann ausgesprochen. Man müsse danach streben, aus Sackgassen herauszukommen, in denen Kunst den Glauben mit Häme überziehe oder Kirche die Kunst zu ihrer Magd machen wolle, sagte sie am 29. November vor der Landessynode in Hannover. Die Kunst ermögliche nicht selten provozierende Interpretationen der christlichen Tradition. Sie erschließe Interessierten einen Zugang zur christlichen Botschaft und biete damit missionarische Chancen.

So nehmen Kirchenrepräsentanten die Kunst also wahr: als Institution, die den Glauben mit Häme überzieht. In welcher Welt leben wir eigentlich - und welche Kunst kennt und meint Frau Käßmann? Mir ist in den letzten 15 Jahren keine ernsthafte Kunst begegnet, die den Glauben mit Häme überzieht. Das ist wirklich Unsinn und die Kunst hat wahrlich Besseres zu tun. Und welche Kunst bevorzugt Frau Käßmann? Jene, die einen Zugang zur christlichen Botschaft und damit missionarische Chancen bietet. Soweit das Kapitel zur Kritik der instrumentellen Vernunft. Das ist Verdinglichung in Reinkultur. Was sich die Bischöfin vorstellt, ist offenkundig eher Design als Kunst. Von interesselosem Wohlgefallen, das seit Immanuel Kant zur Bestimmung von Kunst herangzogen wird, hat die Missionsinteressierte offenkundig noch nichts gehört. Aber es wäre auch ein Wunder, wenn die Kirche aus der (Philosophie-)Geschichte lernen würde.