14 Mai 2007

Symposium zur Bibel in gerechter Sprache

Die „Bibel in gerechter Sprache“ hat heftige Kontroversen in Medien und Wissenschaft ausgelöst. Neben begeisterter Rezeption – zwei ausverkaufte Auflagen bis Ende 2006 – stehen zum Teil eindeutige Ablehnungen des Gesamtprojekts bis zum Häresievorwurf.

Das Symposium an der Universität Hamburg vom 30. Juni bis 1. Juli 2007 möchte die Diskussion, auch im Hinblick auf eine mögliche Revision der Übersetzung, auf eine sachlichere Ebene heben und wissenschaftlich vertiefen. Es versammelt dazu Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedener Fachrichtungen, sowohl Mitwirkende am Übersetzungsprojekt wie auch andere Interessierte. Schwerpunkt der Diskussion wird der (übersetzerische) Umgang mit dem Gottesnamen JHWH und der metaphorischen Rede von Gott sein, da sich bei diesem Thema die Ziele und Schwierigkeiten einer Bibelübersetzung in besonderer Weise manifestieren.

Eingeladen sind alle Interessierten, die sich, sei es wissenschaftlich, sei es an anderen Orten, mit Fragen der zeitgemäßen Bibelübersetzung und Rede von Gott befassen.

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12 Mai 2007

Kunstgeschichte christlicher Gesten

Von Klaas Huizing ist ein neues Buch erschienen: "Handfestes Christentum. Eine kleine Kunstgeschichte christlicher Gesten". Gütersloh 2007. Darin eröffnet der Autor eine künftig zu erweiternde Bibliothek der Gesten: von Dürers Handgesten, Rembrandts sinnenden und diakonischen Gesten, Caspar David Friedrichs Umarmungen, über die zärtlichen Begegnungen der Nazarener und Franz Marcs Familiengesten bis hin zu Picassos Erlösungsgesten, Piet Mondrians prophetischen Linien, Franz Bacon und die Gesten des Schreckens. Intention ist es, Elementargesten des Christentums zu entdecken und darzustellen.

Handfestes Christentum. Eine kleine Kunstgeschichte christlicher Gesten

10 Mai 2007

Schweigen

Während der Kunstbetrieb lärmen wird wie selten, widmet MARTa Herford dem Gegenteil eine große Ausstellung: dem Schweigen, der Stille und der Leere.

Das ist eine ebenso faszinierende wie publikumsträchtige Idee. Die vorgestellten Künstler und Werke sind beeindruckend, das Konzept überzeugend. Ein weiterer Ort auf der Liste der wichtigen künstlerischen Bezugspunkte des Jahres 2007.

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04 Mai 2007

Im Dialog mit der documenta 12

... heißt die aktuelle Sommerakademie der Ev. Akademie Hofgeismar vom 22.-29. Juli 2007 und bietet Exkursionen, Vorträge, Seminare, Workshops, Filmabende und Performances rund um das Thema zeitgenössische Kunst. Eine lohnenswerte Woche, um in schöner Umgebung zu studieren, Neues kennen zu lernen und Gespräche zur Kunst zu führen.

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Eine 'schöne' Ausstellung

... heißt eine Tagung der Ev. Akademie Hofgeismar vom 22.-24. Juni 2007, die der Auseinandersetzung mit dem Konzept der documenta 12 dient. Neben einem documenta-Besuch stehen Gespräche mit dem documenta-Kurator Roger M. Bürgel, dem Vorsitzenden des Kunstvereins Kassel Bernhard Balkenhol und dem Kulturkritiker Dirk Schwarze auf dem Programm.

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PAINT IT BLUE

Seit Jahren entsteht innerhalb der Act Art Collection des Münchner Jazz Produzenten Siegfried Loch ein ganz besonderer Sammlungsschwerpunkt. Seit dem Erwerb eines Bildes von Ernst Wilhelm Nay mit dem Titel "Blauklang" hat sich der Sammler in immer intensiverer Weise dem Thema der Farbe Blau gewidmet. So ist über die Jahre eine thematisch gebundene Sammlung entstanden, die mit Werken herausragender Künstler unserer Zeit das Faszinosum der Farbe Blau umkreist. Das Museum Weserburg in Bremen zeigt diese Werke und knüpft damit nicht zuletzt an eine legendäre Ausstellung an, die der Kunstverein Heidelberg 1990 in seinen Räumen gezeigt hat. Die Ausstellung im Museum Weserburg ist deshalb so faszinierend, weil man nicht nur auf Erwartetes trifft (also z.B. Yves Klein), sondern eben auch auf künstlerische Positionen, die man mit dieser Farbe nicht zwingend verbunden hätte. Die Ausstellung ist bis zum 3. Juni in Bremen zu sehen.

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14 April 2007

Ehrenpromotion für Luise Schottroff

Professorin Dr. Luise Schottroff wird die Ehrendoktorwürde des Fachbereichs Evangelische Theologie der Philipps-Universität Marburg erhalten. Die Ehrung der international renommierten und weit über den akademischen Bereich hinaus bekannten Theologin, die in Mainz, Kassel, Berkeley (USA) und New York lehrte, wird am 18. April 2007 um 16 Uhr im Rahmen einer Akademischen Feierstunde in der Aula der Alten Universität stattfinden, zu der die Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist.

In ihrer wissenschaftlichen Arbeit setzte Schottroff in den vergangenen dreißig Jahren maßgebliche Impulse für die Entwicklung der sozialgeschichtlichen Exegese, des christlich-jüdischen Dialogs und vor allem für die Feministische Theologie. Zuletzt erfuhr sie durch ihre Herausgeberschaft der "Bibel in gerechter Sprache" große öffentliche Aufmerksamkeit.
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11 April 2007

Verteidigungsrede

»Gott ist Geist«, lehrt die Bibel. Wird dieser Geist vermenschlicht und verpersönlicht, so wird sich in diesem Bilde immer der jeweilige Geschmack der Menschen aussprechen. »In seinen Göttern malt sich der Mensch.« Es gibt keinen Lehrsatz der Kirche, der vorschreibt, so und so hat man sich Gott, oder Jesus, oder Maria, oder den Teufel vorzustellen, mit einem solchen Kopf, solchen Augen, solcher Körperbeschaffenheit, solcher Haarfarbe, solchem Ausdruck usw. Hier herrscht absolute Wahlfreiheit. Die Bibelausleger beziehen eine Stelle im Alten Testament auf Christus, da heißt es: »Er hatte weder Gestalt noch Schönheit.« Also ist es bibelgemäß, sich Christus häßlich vorzustellen. Wer will nun die Grenze ziehen und sagen, hier ist erlaubte Vermenschlichung, dort beginnt die Gotteslästerung? Ganz streng genommen, müßte, da Gott nach der Bibellehre »Geist« ist, jede Verbildlichung verpönt werden. Aber von dieser sublimen Auffassung ist niemand weiter entfernt als die Kirche und ihre Vertreter selbst. Somit kann die Kirche, und wer sonst kirchliche oder religiöse Interessen vertritt, niemand verwehren, sich Gott jung oder alt, robust oder gebrechlich usw. vorzustellen.

In der Vision des Dichters gewinnt der traditionelle Himmel, und was darin vorgeht, eine Gestalt, die sich also recht eigentlich jeder Diskussion entzieht. Der Dichter hat es so gesehen, wie er's sehen mußte, aus einem künstlerischen Zwang seiner schöpferischen Phantasie heraus, und damit Punktum. Man kann seine Vision annehmen oder ablehnen, aber man kann sie nicht polizeilich abwandeln, man kann sie nicht strafen. Das Forum, vor dem sich Dichter und Künstler einzig zu verantworten haben, ist die ästhetische Kritik. Die Frage kann nicht auf theologischen, sondern allein auf künstlerischen Wert oder Unwert gerichtet sein.


Panizza: Meine Verteidigung in Sachen »Das Liebeskonzil«. S. 157

10 April 2007

Die Luther-Bibel ein Etikettenschwindel?

Laut einer unwidersprochenen Meldung von kath.net/idea hat Peter Hahne, Fernsehjournalist und Ratsmitglied der EKD auf einer Veranstaltung, die vor allem seiner Kritik an der Bibel in gerechter Sprache diente, wortwörtlich gesagt:
„Wo Bibel draufsteht, muss Urtext drin sein,
alles andere ist durchschaubarer Etikettenschwindel“.


Nähme man Hahne beim Wort, dann wären weder die Luther-Bibel noch die Einheitsübersetzung noch die Gute-Nachricht-Bibel noch irgend eine andere der auf der Bibelausgabenseite der EKD verzeichneten Texte richtig etikettiert, denn sie alle enthalten natürlich nicht den Urtext. Sie enthalten allenfalls Übersetzungen oder Übertragungen. Die Urtexte sind in Hebräisch oder Griechisch, was Hahne als Diplomtheologe eigentlich wissen müsste.

Dazu passt, dass Hahne im gleichen Vortrag Papst Benedikt XVI. so auffällig lobt, der ja gerade die Rückkehr zur lateinischen Messe gewünscht hatte. Da wird sich das Kirchenvolk künftig freuen können: die Messe auf Latein und die Bibel in Hebräisch und Griechisch. Mir kann es gleich sein, ich kann alle drei Sprachen, aber für die Mehrheit der Kirchenangehörigen wird die religiöse Überlieferung wieder: ein Buch mit sieben Siegeln.

Eines aber muss man Hahne lassen: er ist gerecht. Er greift nicht nur die Bibel in gerechter Sprache scharf an, sondern bezeichnet zugleich indirekt die Luther-Bibel als "Etikettenschwindel". Und das als "lutherischer Journalist" und EKD-Ratsmitglied! Wer hätte ihm das zugetraut?

09 April 2007

Sol LeWitt gestorben

Der amerikanische Konzeptkünstler Sol Lewitt ist im alter von 78 Jahren gestorben. In seinem Werk definiert er Kunst als begrifflich – im Gegensatz zur optisch orientierten Wahrnehmungskunst – da sie für den Betrachter vornehmlich in geistiger Hinsicht interessant sei. Hierbei steht die Idee, das Konzept eines Werkes im Vordergrund.

04 April 2007

Ein Wunder!

Gerade kommt die DVD-Sammlung "40.000 Meisterwerke" aus der Digitalen Bibliothek auf meinen Schreibtisch. Natürlich macht einen das neugierig, welchen Fundus an Werken und Informationen man da vor sich hat.

Und gleich am Anfang meines Stöberns bin ich auf ein Wunder gestoßen, das Wunder der Prophetie in der Kunst:

Laut DVD hat Bacchiacca (1494-1557) zwischen 1540 und 1545 ein Bildnis des Kardinals Leopold erstellt. Da sieht man einmal die visionäre Kraft historischer Kunst. Denn Leopoldo de Medici lebte von 1617 bis 1675 und wurde 1663 Kardinal!

In Wirklichkeit ist das Werk natürlich von Baciccio, eigentlich Giovanni Battista Gaulli (1639-1709) und so wird es auch in allen seriösen Datenbanken geführt.

Aber Wunder interessieren uns natürlich viel mehr. Und so fragen wir uns, wie Bacchiacca gut 120 Jahr vorher schon wissen konnte, wie der Medici-Kardinal aussehen würde.


01 April 2007

Heft 46 des theomag ist erschienen

Das aktuelle Heft des Magazins für Theologie und Ästhetik trägt den Titel

KUNST und KIRCHE


Es enthält Beiträge von Andreas Mertin, Horst Schwebel, Henner Herrmanns, Hans-Will Weis, Karin Wendt, Jörg Herrmann, Christoph Fleischer und Stefan Budian.

Der Bitterfelder Weg der Evangelischen Kirche
Ein kulturtheologisches Menetekel
Andreas Mertin

Kunst im Kontext Kirche
Positionen - Anti-Positionen - Praktische Folgerungen
Horst Schwebel

Über den profanen Umgang mit sakraler Architektur
Analyse oder Anamnese?
Henner Herrmanns

Religion und Romantik
Eine Beziehungsgeschichte im Original und als Remake
Hans-Willi Weis

Reiseeindrücke zwischen Kirche, Kultur und Kunst
Stefan Budian

Parallelen
Fritz Winter, Gerhard Richter, Tadao Andō
Karin Wendt

Gregor Schneiders "Cube Hamburg"
Jörg Herrmann

Religion gibt dem Leben Sinn
Eine Rezension
Christoph Fleischer

Visuelle Dubletten
Eine Empfehlung zu Johannes 2, 16
Andreas Mertin

Erwünschte Differenzen
Die Bibel in gerechter Sprache
Andreas Mertin

Blackbox

22 März 2007

Verzweifelte Situation der Kunst?

"Mir scheint, daß heute eine, sagen wir, widersprüchliche Situation der Kunst, auch eine etwas verzweifelte Situation der Kunst hervorgehoben werden kann. Auch heute inspiriert die Kirche, weil der Glaube und das Wort Gottes unerschöpflich sind. Und das gibt uns allen Mut. Es schenkt uns die Hoffnung, daß die Welt auch in Zukunft neue Glaubensvisionen haben wird, und zugleich die Gewißheit, daß die bereits hinter uns liegenden zweitausend Jahre christlicher Kunst immer lebendig und immer ein »Heute« des Glaubens sind."

Aus der Begegnung von Papst Benedikt XVI. mit den Priestern der Diözese Rom Ende Februar im Vatikan. Und im selben Gespräch:

"So wird auch die Kirche nicht als ein Organismus der Unterdrückung oder der Macht – wie manche sie hinstellen wollen –, sondern als Organismus einer geistig-spirituellen Fruchtbarkeit erscheinen können, die in der Geschichte unwiederholbar ist oder zumindest, so wage ich zu sagen, außerhalb der katholischen Kirche nicht festgestellt werden kann."

Soweit die Binnenperspektive des katholischen Ordo.

17 März 2007

11 März 2007

Musikvideos und Youtube

"Sieht man das Angebot an Filmvideos, das hier und jetzt für jedermann mit Internetanschluss gratis zugänglich ist, ist es schwer verständlich, weshalb "gediegene" Musikprogramme so blutleer, unberechenbar oder schlicht langweilig sind. Wir sollten YouTube also als eine Form des Protests betrachten. Und als eine Vision des Musikfernsehens, eine aufgeschlossene vielstimmige Video-Jukebox, die der Gegenwart wie auch der Vergangenheit ihren Platz einräumt und die die Abgrenzung zwischen E- und U-Musik lächerlich findet." [Steve Lake in der Süddeutschen]

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10 März 2007

Cool

http://www.walfang.org/

09 März 2007

3D zum zweiten

Verwirrung gab es gestern, weil Berlin gleich zweimal dreidimensional bei Google-Earth online ging.

Was im gestrigen Blogbeitrag vorgestellt wurde, waren die Daten der RSS-GmbH.

Parallel gab es aber auch die offiziellen Daten der Stadt Berlin, deren kmz-File andere Bilder generiert. Hier werden vor allem die Highlights hervorgehoben und erfahrbar gemacht.

Nicht alle Fassaden waren bei mir schon mit Texturen gefüllt, dafür gab es beeindruckende Modelle des Hauptbahnhofs und des Reichstages, die quasi begehbar sind.

Den Hauptbahnhof von Gerkan fand ich besonders eindrucksvoll.

08 März 2007

Wir bauen die Welt - im Modell

Seit heute ist die Berliner Innenstadt bei Google-Earth in einem 3D-Modellbau zu betrachten. Wer GoogleEarth 4 installiert hat und das entsprechende kmz-File herunter lädt, kann nun virtuell durch Berlins Straßen 'marschieren'.

Der Eindruck ist ebenso überwältigend wie desillusionierend. Überwältigend, weil man wirklich durch die Straßen flanieren kann und die Gebäude en detail sieht. Das ist tatsächlich faszinierend und vermittelt ein Gefühl davon, was in den nächsten Jahren an virtueller Vergegenwärtigung auf uns zukommt. Desillusionierend ist es, weil das alles mehr wie eine Ansammlung von Faller-Häuschen ("Wir bauen die Welt im Modell") aussieht als ein Abbild von Wirklichkeit zu sein. Kein Großstadtflair, sondern eine Heimwerkeridylle.

Produktiv wird es da, wo man städtebauliche Pläne als Bürger überprüfen kann, z.B. den Wiederaufbau des ehemaligen Stadtschlosses neben dem Berliner Dom. Auch das ist ebenso faszinierend wie desillusionierend. Zur Faller-Welt würde es passen.

Wider die neue Bürgerlichkeit

Die Albertina Wien in Kooperation mit dem Milwaukee Art Museum, dem Deutschen Historischen Museum Berlin sowie dem Musée du Louvre Paris zeigt noch bis zum 13. Mai 2007 die Ausstellung "Biedermeier - Die Erfindung der Einfachheit".

"Die Erfindung der Einfachheit - als Stil wie als ethische Haltung - wirkt nach dem Wiener Kongress von der Haupt- und Residenzstadt aus in andere Kunstzentren Mittel- und Nordeuropas. Dieser für den Aufbruch der Moderne um 1900 so einflussreiche Stil des frühen Wiener Biedermeier mit seiner Reduktion und Materialästhetik wird in dieser Großausstellung als internationales Phänomen präsentiert: mit den Parallelerscheinungen in Goethes Weimar, in München, Berlin und Kopenhagen."

FAZ

06 März 2007

Baudrillard verstorben

Der Soziologe und Philosoph Jean Baudrillard ist tot. er starb er am Dienstag in Paris nach langer Krankheit. Der einstige Deutschlehrer und Brecht-Übersetzer wurde 77 Jahre alt. Baudrillard, einer der einflussreichsten Denker der Postmoderne, hatte Soziologie an der Universität Nanterre gelehrt, die im Zentrum der Protestbewegung vom Mai 1968 gestanden war. In der Folgezeit machte er sich als scharfer Kritiker der Konsumgesellschaft und der Medien einen Namen.

ZEIT
Süddeutsche Zeitung
NZZ
Telepolis