08 März 2007

Wider die neue Bürgerlichkeit

Die Albertina Wien in Kooperation mit dem Milwaukee Art Museum, dem Deutschen Historischen Museum Berlin sowie dem Musée du Louvre Paris zeigt noch bis zum 13. Mai 2007 die Ausstellung "Biedermeier - Die Erfindung der Einfachheit".

"Die Erfindung der Einfachheit - als Stil wie als ethische Haltung - wirkt nach dem Wiener Kongress von der Haupt- und Residenzstadt aus in andere Kunstzentren Mittel- und Nordeuropas. Dieser für den Aufbruch der Moderne um 1900 so einflussreiche Stil des frühen Wiener Biedermeier mit seiner Reduktion und Materialästhetik wird in dieser Großausstellung als internationales Phänomen präsentiert: mit den Parallelerscheinungen in Goethes Weimar, in München, Berlin und Kopenhagen."

FAZ

06 März 2007

Baudrillard verstorben

Der Soziologe und Philosoph Jean Baudrillard ist tot. er starb er am Dienstag in Paris nach langer Krankheit. Der einstige Deutschlehrer und Brecht-Übersetzer wurde 77 Jahre alt. Baudrillard, einer der einflussreichsten Denker der Postmoderne, hatte Soziologie an der Universität Nanterre gelehrt, die im Zentrum der Protestbewegung vom Mai 1968 gestanden war. In der Folgezeit machte er sich als scharfer Kritiker der Konsumgesellschaft und der Medien einen Namen.

ZEIT
Süddeutsche Zeitung
NZZ
Telepolis

20 Februar 2007

Kaum zu glauben

Da bin ich doch über folgende kaum zu glaubende Meldung in der Schwäbischen Zeitung gestolpert:

Pfarrer Schmid erhält den Doktortitel
"Doch kein katholischer Theologe hat sich in den vergangenen 50 Jahren bemüht, den Zusammenhang von Verkündigung und Kunst zu klären", sagt Schmid und behauptet, christliche Bilder und Skulpturen wirkten wie das Predigen als eine Verkündigun der Frohbotschaft. Für diese These wird ihm die Universität Tübingen den Doktorgrad (Magna cum laude) verleihen.


Vielleicht sollte man in Tübingen doch mal über Folgendes nachdenken: Zur Wahrheit über den Widerspruch.

18 Februar 2007

Ethik der Mode

Isabelle Quéhé ist die Erfinderin der Ethical Fashion Show®, der ersten internationalen Modenshow, bei der sich alle Teilnehmenden einem ethischen Codex verpflichten. Die diesjährige Show findet vom 12. bis zum 15. Oktober 2007 im Tapis Rouge in Paris statt. Auch die Internetpräsenz ist einen Besuch wert.

15 Februar 2007

"Kulturschaffende"

Am kommenden Mittwoch wiederholt sich ein Ritual, das man "Aschermittwoch der Künste bzw. der Künstler" nennt. Die höchsten Vertreter der Kirche empfangen ausgewählte Vertreter der Künste, um ihnen ein Aschekreuz auf die Stirn zu malen. Der Künstler Georg Meistermann hat einmal ironisch dazu bemerkt, dass dieser Ritus in der Katholischen Kirche entstanden sei, weil man die Gruppe der Künstler für besonders sündig und vergebungsbedürftig hielt. Ausdruck einer Wertschätzung ist es jedenfalls kaum, eher Ausdruck einer überholten höfischen Kultur. Besser wäre es, die entsprechenden kirchlichen Potentaten würden auch im Alltag der Kirche eine entsprechende Wertschätzung der freien Künste pflegen. Das tun sie aber nicht.

Am kommenden Mittwoch empfängt nun auch die Bischöfin Margot Käßmann, gerade im letzten Jahr noch aufgefallen durch besonders kulturfreundliche Worte, die Künstler zu einem Aschermittwoch der Künste. Vermarktet wird das von der EVLKA unter der Überschrift "Landeskirche empfängt Kunst- und Kulturschaffende". Das ist schon eine mehr als entlarvende Ankündigung, denn der Begriff des 'Kulturschaffenden' stammt aus den Wirren der Weimarer Republik und kam dann vor allem im Nationalsozialismus unter dem Reichspropagandaminister Goebbels, der zugleich Präsident der Reichskulturkammer als Vereinigung aller Kulturschaffenden war, zu Ehren. Und auch das System der DDR machte sich den Begriff zunutze. Das Lexikon vermeldet: "In allen totalitären Systemen war die Verwendung des Begriffs verbunden mit der Festlegung politisch gesellschaftlicher Aufgaben der "Kulturschaffenden" (zugunsten des jeweiligen Systems)." Bereits 1946 wurde das Wort dem "Wörterbuch des Unmenschen" zugerechnet. Heute zählt es zu den "überlebensfähigen Resten" der DDR-Sprache.

Dass in der Pressemeldung das Wort "Kulturschaffende" verwendet wird, mag im konkreten Fall ein Zufall sein. Es ist aber nicht zu übersehen, dass das Wort seit einigen Jahren in kirchlichen Veröffentlichungen Verwendung findet. Und ich vermute, dahinter steckt ein Programm. Nicht umsonst ist die EVLKA schon seit längerem dafür bekannt, ein Programm der Rückführung der Künstler zur kirchlichen Programmatik zu verfolgen. Und da ist dann das Wort "Kulturschaffender" ein treffendes Wort.

14 Februar 2007

Otto Mauer

... der sicher in der deutschsprachigen Kultur einzigartige Theologe, was die Verbindung mit der Kunst betrifft, wäre in diesen Tagen 100 Jahre geworden. Der Standard stellt ihn in einem Bericht vor.

Das Wiener Dommuseum widmet Otto Mauer eine Ausstellung unter dem Titel: "Happy Birthday, Monsignore!"

12 Februar 2007

Mathematik und Kunst

.... ist das Thema einer Ausstellung im Kulturspeicher Würzburg. In der Beschreibung heißt es: "Die Konkrete Kunst ist eine Kunst, die sich auch mit Geometrie, Stereometrie und Trigonometrie beschäftigt, mit Permutationen und Gleichungen, Zufall und Chaos, somit mit Mathematik. Die Ausstellung ... veranschaulicht die Bandbreite der Beziehung zwischen beiden Bereichen. Beginnend mit Werken der 1920er Jahre, der Entstehungszeit konstruktiv-konkreter Kunst, spannt sie den Bogen bis zur Gegenwart. Vertreten sind u.a. Joseph Albers, Paul Klee, El Lissitzky, George Vantongerloo und Sonia Delaunay, die Zürcher Konkreten mit Max Bill und Richard Paul Lohse und auch jüngere Künstler. Begleitende Tafeln und plastische Modelle veranschaulichen die mathematischen Verfahrensweisen und Prinzipien, die den Bildern zugrunde liegen.

04 Februar 2007

Raubkunst und Restitution

Ein breites Spektrum an Perspektiven zur Problematik verspricht die vom Moses Mendelsohn Zentrum initiierte internationale Konferenz "Eine Debatte ohne Ende? Raubkunst und Restitution im deutschsprachigen Raum" vom 22. bis zum 24. April 2007 im Alten Rathaus in Potsdam.

01 Februar 2007

Heft 45 des theomag ist erschienen!

Das aktuelle Heft des Magazins für Theologie und Ästhetik trägt den Titel KUNST-STÜCKE. Es ist dem Religionspädagogen Dietrich Zilleßen zum 70. Geburtstag gewidmet. Es enthält Beiträge zu Kunst, Theologie, Religionspädagogik und Popularkultur von
Weitere Informationen finden Sie im Editorial.

31 Januar 2007

Bissig ...

... kommentiert die taz die Neueröffnung der Kulturkirche in Bremen. Aber seien wir ehrlich: ganz abwegig ist der Kommentar nicht. Wenn es stimmt, dass es eine kulturnahe bestehende Kirchenarbeit gibt, deren Zuschüsse gefährdet sind, und zugleich eine Citykirche ostentativ zur Kulturkirche umgewidmet wurde, dann ist das schon merkwürdig. Dann wird Kultur tatsächlich als Notlösung missbraucht.

Kulturförderung zur evangelischen Profilierung: ja, Kunst und Kulturförderung an sich: nein. Das ist und bleibt der Eindruck von der Kulturpolitik der Evangelischen Kirche.

Und wer sich die Programmatik der Kulturkirche durchliest, dem wird von der kulinarischen Metaphorik schnell übel. So ist das mit der Kunst: "Am Freitag wird die Kulturkirche mit dem Symposium "Die neue Lust der Kirche an der Kultur" eröffnet ... Mitten in der Kirche wird dann die monumentale Installation "Geld wie Sand" zu sehen sein. Das Wochenende steht ganz im Zeichen kultureller Vielfalt. Für Geist, Herz, Ohren und Gaumen ist etwas dabei." Na also, es geht doch. Die Kirche fragt "Wer bin ich" und ganz nostalgisch setzt sie nach: "Welches Schweinderl hätten Sie denn gerne".

Vielleicht gilt für den Protestantismus im Blick auf die zeitgenössische Kunst und Kultur tatsächlich: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Das wären finstere Aussichten für die zeitgenössische Kunst und Kultur im Gespräch mit der Kirche, wenn denn ein solcher Dialog überhaupt noch geschehen würde.

28 Januar 2007

Der Sieg der Kirche über die Kunst

--- titelt die Berliner Zeitung einen Feuilletonbericht über einen Prozess gegen zeitgenössische Kunst in Russland, den die orthodoxe Kirche initiiert hat: "Sechs Tage nach der Eröffnung verurteilt Metropolit Kyrill von der Russisch-Orthodoxen Kirche die Veranstalter ... In der TV-Sendung "Russisches Haus" verhängen Priester live den Kirchenbann. Im Februar appelliert das russische Parlament an die Staatsanwaltschaft, gegen die Veranstalter wegen Schürens von religiösem Zwist vorzugehen. 265 von 267 Abgeordneten stimmen dafür ... Ein Kunstgutachten, verfasst von verbohrten Ikonen-Expertinnen, definiert die gesamte zeitgenössische Kunst als 'zeichenschaffende Tätigkeit von nihilistischer Orientierung'. So steht es dann wörtlich im Urteil." Wirklich erschreckend und zugleich nicht überraschend. [Mehr ...]

26 Januar 2007

Nestbeschmutzung

Das Impulspapier zur Zukunft der Kirche hat viele Kritiker - nicht zuletzt die Pfarrer. Und das zu Recht, wie der Tagesspiegel schreibt: "Viele Pfarrer sind schlichtweg beleidigt, weil sie im Impulspapier nicht gut wegkommen. „Wir werden als desorientiert, unterqualifiziert und separatistisch beschrieben“, sagt Pfarrer Klaus Weber, der dem Pfarrerverband vorsitzt. Er hätte die Versammelten in Wittenberg gerne gefragt, was mit den geforderten „Qualitätsstandards“, „Leistungsbewusstsein“ und „geistlicher Kompetenz“ gemeint sei. Aber der Pfarrerverband, der 20 000 Pfarrer vertritt, ist nicht eingeladen."

Das, was Dietrich Neuhaus schon im Jahr 1999 als kommenden "Fundamentalismus von oben" gegeißelt hatte, scheint nun Früchte zu tragen (vgl. dazu die Anmerkungen zur "Fundamentalismus-Debatte" im Magazin für Theologie und Ästhetik).

25 Januar 2007

Wozu Kulturwissenschaften?

Interessante Überlegungen zur Relevanz der Geistes- und Kulturwissenschaften hat Harald Welzer in der ZEIT vorgelegt. Ob die von ihm skizzierte Öffnung der Geisteswissenschaften tatsächlich so stattfinden muss, wie er es beschreibt, darüber bin ich mir nicht sicher. Seiner Schlussfolgerung kann ich aber nur zustimmen: "Was uns durch den Erkenntnisschock von 1989 abhanden gekommen ist und was uns die Scheinpragmatiker in den ökonomischen und politischen Eliten zu erfolgreich ausgeredet haben, ist die alles entscheidende Frage: Wie wollen wir leben? ... Insofern wird das neue Rollenverständnis der Geistes- und Kulturwissenschaften auch vitalisieren müssen, was zu lange abgelebt schien: den Begriff des Politischen." [Zum Artikel]

Vorbildliche Kulturvermittlung

Die Digitale Mozartausgabe der Internationalen Stiftung Mozarteum in Verbindung mit dem Packard Humanities Institute ist ein faszinierendes Beispiel für die kulturellen Vermittlungsmöglichkeiten des Internets: "The digitized version offers the musical text and the critical commentaries of the entire Neue Mozart-Ausgabe, edited by the Internationale Stiftung Mozart in cooperation with the Mozart cities of Augsburg, Salzburg, and Vienna." Tatsächlich kann man sich mit wenigen Klicks jedes Stück von Mozart einschließlich aller Anmerkungen als PDF-Datei herunterladen. Das ist wirklich vorbildlich und sollte auf diesem Niveau auch ein Standard für andere kulturhistorische Bereiche wie etwa Literatur und Bildende Kunst werden. Zur Nachahmung empfohlen!

20 Januar 2007

Traurige Wahrheit

"Die Sammlung der modernen religiösen Kunst ist, trotz einem Dix und einem Rouault, notwendigerweise ein Trauerspiel. Die Künstler und die Kirche haben einander nichts mehr zu sagen, nicht einmal ein Papst-Bild von Francis Bacon fand den Weg in die Vatikanischen Museen. Und Maurizio Cattelans Skulptur «Die neunte Stunde», sie zeigt Papst Johannes Paul II., von einem Meteoriten getroffen am Boden liegend, wird wohl kaum die Karriere des Laokoon machen" - das schreibt Petra Kipphoff unter der Überschrift "Das verwirrendste Museum der Welt" über die vatikanischen Sammlungen. [Mehr ...]

18 Januar 2007

Unbedingt ansehen!




Journal für Kunst, Sex und Mathematik

Etwas verspätet ...

... aber um so vehementer reagiert die taz unter der Überschrift "Huber Bubba. Der evangelische Bischof Wolfgang Huber ist der größte Blasenwerfer unserer Zeit" auf das schon im Juli erschienene Impulspapier "Kirche der Freiheit" (Vgl. dazu die Notiz in diesem Blog aus dem Juli 2006).

Was Michael Rudolf ins seiner Polemik aber überzeugend gelungen ist, ist die Phrasendrescherei des Papiers dem Leser komprimiert vor Augen zu führen. Zwar ist die Personalisierung nicht ganz gerechtfertigt, zeichnet doch gleich ein ganzes Gremium für das Elaborat verantwortlich, in der Sache trifft die ironische Zuspitzung aber den Kern. Und seien wir ehrlich: die "Kompetenz-Kompetenz" möchten wir der EKD gar nicht absprechen. Die kulturelle Kompetenz dagegen schon. Und die sprachliche erst recht.

14 Januar 2007

Abrisswahn

Unter dem Titel "Ein Land auf Abriss" beschreibt Hanno Rauterberg in der ZEIT die fortschreitende Vernichtung kulturgeschichtlich wichtiger Bauwerke im Interesse von ökonomisch verwertbaren Neubauten. [Mehr ...]

Kritisch beschäftigt sich Jens Jenssen in der gleichen Ausgabe mit der Denkmal-Ideologie, die längst nicht mehr das das ästhetisch Wertvolle sondern das historisch Interessante schütze. [Mehr ...]

08 Januar 2007

Religion und ihr Anderes

"Die Möglichkeit, das Religiöse und das Säkulare als getrennte Sphären zu denken, ist für die europäische Moderne konstitutiv".
So heißt es im Programm zu einer internationalen Konferenz zum Thema "Religion und ihr Anderes. Säkulare und sakrale Konzepte und Praktiken in Interaktion". Die Tagung will ausgehend von konzeptionellen Überlegungen des Kulturanthropologen Talal Asad zu den Konstitutionsprozessen des Religiösen und des Säkularen erörtern, wie sich Konzepte und Praktiken beider Sphären herausbilden, wie deren Grenzen generiert, ausgehandelt, stabil gehalten bzw. verändert werden. Gefragt wird auch, "was geschieht, wenn spezifische Konzepte des Säkularen und des Religiösen mobil werden, wenn sich religiöse und säkulare Selbstentwürfe in transnationalen scapes (Arjun Appadurai) und zunehmend globalisierten Räumen bewähren müssen und unterschiedliche Konzepte des Religiösen in immer schon politisch und sozial vorstrukturierten Konstellationen aufeinander treffen?"

“Religion und ihr Anderes. Säkulare und sakrale Konzepte und Praktiken in Interaktion / Religion and Its Other: Secular and Sacral Concepts and Practices in Interaction” Humboldt-Universität zu Berlin, Hauptgebäude, Unter den Linden 6-9, 30. März - 1. April 2007

04 Januar 2007

COATS! Mode aus Italien

"Eine Reise in die Welt der italienischen Mode" verspricht die Ausstellung "COATS! Max Mara, 55 Jahre Mode aus Italien". Noch bis zum 4. März 2007 ist in der Kunstbibliothek des Kulturforums am Potsdamer Platz in Berlin bisher unveröffentlichtes Material aus dem Firmenarchiv des Modeunternehmens Max Mara zu sehen. "Max Mara wurde 1951 von Achille Maramotti in Reggio Emilia gegründet. [...] Der Schwerpunkt der Ausstellung [...] liegt auf den beiden Hauptkollektionen Max Mara (ab 1951) und Sportmax (ab 1969), für die neben dem hauseigenen Designteam bekannte Modedesigner wie Karl Lagerfeld, Jean Charles de Castelbajac, Luciano Soprani, Guy Paulin oder Anne-Marie Beretta verantwortlich zeichnen. Als roter Faden dienen die berühmten, heute klassischen Woll- und Kaschmirmäntel des MaxMara-Labels sowie Mäntel und Kostüme der Designkollektion Sportmax. Neben den rund 60 originalen Modellen sowie zahlreichen Entwurfs- und Kollektionsskizzen widmet sich die Ausstellung dem Thema der Bildkommunikation mit Modefotografien von Sarah Moon, Peter Lindbergh, Richard Avedon, Steven Meisel und anderen bedeutenden Bildautoren."

COATS! Max Mara, 55 Jahre Mode aus Italien, Kulturforum Potsdamer Platz, Kunstbibliothek, Sonderausstellungsraum oben, 30. November 2006 bis 4. März 2007