30 November 2007

Sancta simplicitas oder: intensive Nebelschwaden

Für einen intensiveren Dialog zwischen Kunst und Kirche, so meldet die Nachrichtenagentur idea, hat sich die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann ausgesprochen. Man müsse danach streben, aus Sackgassen herauszukommen, in denen Kunst den Glauben mit Häme überziehe oder Kirche die Kunst zu ihrer Magd machen wolle, sagte sie am 29. November vor der Landessynode in Hannover. Die Kunst ermögliche nicht selten provozierende Interpretationen der christlichen Tradition. Sie erschließe Interessierten einen Zugang zur christlichen Botschaft und biete damit missionarische Chancen.

So nehmen Kirchenrepräsentanten die Kunst also wahr: als Institution, die den Glauben mit Häme überzieht. In welcher Welt leben wir eigentlich - und welche Kunst kennt und meint Frau Käßmann? Mir ist in den letzten 15 Jahren keine ernsthafte Kunst begegnet, die den Glauben mit Häme überzieht. Das ist wirklich Unsinn und die Kunst hat wahrlich Besseres zu tun. Und welche Kunst bevorzugt Frau Käßmann? Jene, die einen Zugang zur christlichen Botschaft und damit missionarische Chancen bietet. Soweit das Kapitel zur Kritik der instrumentellen Vernunft. Das ist Verdinglichung in Reinkultur. Was sich die Bischöfin vorstellt, ist offenkundig eher Design als Kunst. Von interesselosem Wohlgefallen, das seit Immanuel Kant zur Bestimmung von Kunst herangzogen wird, hat die Missionsinteressierte offenkundig noch nichts gehört. Aber es wäre auch ein Wunder, wenn die Kirche aus der (Philosophie-)Geschichte lernen würde.

30 Oktober 2007

Temporäre Kunsthalle Berlin

In unmittelbarer Nähe des Berliner Doms und als temporäre Zwischenlösung bis zum Bau des Berliner Stadtschlosses wird es eine Kunsthalle geben.

Nähere Informationen unter: http://kunsthalleberlin.com

Internet-Plattform für Baukunst

Für Architektur und Baukunst aus Nordrhein- Westfalen gibt es nun erstmals eine Internet-Plattform. Zu sehen sind Sakral- und Kulturbauten ebenso wie Rathäuser, alte Zechen, Hotels, Parks oder herausragende Wohnsiedlungen.

Zu finden ist die Datenbank unter http://www.baukunst-nrw.de/

17 Oktober 2007

Neuer Leiter des Instituts für Kirchenbau

Prof. Dr. Thomas Erne ist seit Wintersemester 2007 neuer Leiter des Marburger Instituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart. Thomas Erne hat promoviert über das Thema: Lebenskunst. Aneignung ästhetischer Erfahrung. Ein theologischer Beitrag zur Ästhetik im Anschluß an Kierkegaard und habilitiert mit einer Arbeit über den Philosophen Hans Blumenberg: Rhetorik und Religion. Studien zur praktischen Theologie des Alltags.

Protestantische Selbstkritik

"Zwar sind die europäischen Erfahrungen schnell auf den depressiven Grundton gestimmt, daß die etablierten evangelischen Kirchen erodieren, ihre einstmals intellektuell so anspruchsvolle Predigtkultur durch larmoyante Gutmenschenappelle, seichtes Moralgeschwätz und grausamen Sprachverfall abgelöst wurde, das Bildungsniveau einer zunehmend kleinbürgerlich geprägten Pfarrerschaft sogar mit Blick auf ihre Kernkompetenzen, die theologische Kunde vom Christentum, deutlich gesunken ist und selbst das kirchenleitende Personal mit wenigen Ausnahmen weder über Führungskompetenzen noch ein klares protestantisches Profil verfügt."

Friedrich Wilhelm Graf, Der Protestantismus, in:Joas/Wiegandt, Säkularisierung und die Weltreligionen, Frankfurt 2007, S. 78-124, hier S. 84.

15 Oktober 2007

Peter Hahne: War Paul Gerhardt in der Hölle?

Peter Hahne, Fernsehmoderator und Galleonsfigur der evangelikalen Rechten, ist immer für eine Überraschung und vor allem für sprachliche Entgleisungen gut. Warum man auch immer dem Protestantismus ein ausgefeiltes Verhältnis zur deutschen Sprache unterstellt, Peter Hahne hat davon nichts mitbekommen.

Dieses Mal amüsiert er uns mit einen höchst ambivalenten Loblied auf Paul Gerhardt. Wenn sich die Nachrichtenagentur idea nicht verhört hat, hat Hahne auf der Kanzel in Lübben folgendes kundgetan: "Während heute vieles 'auf den Wellness-Wolken des großen Halleluja' daherschwebe, seien Gerhardts Choräle 'keine bestellten Strohfeuer-Lieder aus dem Computer, sondern erkämpfte Glaubens-Gesänge aus dem erlittenen Feuer der Hölle'."

Das ist nicht uninteressant. Entweder gehört Paul Gerhardt zu jenen wenigen, die wie Christus einen Aufenthalt in der Vorhölle erlebt haben oder er formulierte seine Lieder aus dem Jenseits. Beides ist jedoch kaum anzunehmen.


Aber warum meint Peter Hahne, Paul Gerhardt habe seinerzeit nicht nur Schmerzen erlitten, sondern diese seien ein erlittenes Feuer der Hölle(!) gewesen? Darauf bleibt der Grinse-Kater einer Antwort schuldig. Vermutlich suchte er etwas ganz Drastisches zu sagen und da fällt einem Evangelikalen natürlich immer die Hölle ein. Oder das Ganze ist eine vorsichtige Annäherung an den Islam: „Die Unseligen werden dann im Höllenfeuer sein, wo sie laut aufheulen und hinausschreien, und wo sie weilen, solange Himmel und Erde währen, – soweit es dein Herr nicht anders will. Dein Herr tut, was er will.“ (Sure 11,106–107)

04 Oktober 2007

Heft 49 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Heft 49 des Magazins für Kunst | Kultur | Theologie | Ästhetik trägt den Titel

CONTAINER

Es enthält folgende Beiträge:

VIEW

52. Biennale in Venedig
Beobachtungen
Andreas Mertin

Made in Germany
Kunstvorstellungen
Andreas Mertin

„Alle Menschen werden Schwestern“
Vom Umgang mit „männlichen Söhnen“
Dorothea Erbele-Küster

VISION | AUDITION
Ein Rückblick
Andreas Mertin

RE: VIEW

Erfahrungsbezogene Theologie
Eine Rezension
Christoph Fleischer

Klassische Bildgattungen
Rezension
Karin Wendt

POST

Vom Überschreiten einer Grenze
Bill Viola in Venedig
Andreas Mertin

Blackbox

10 September 2007

Kirche als Ruheraum

"Seit 1741 nährt der Geruch der luftförmigen Leichenüberreste die Aufmerksamkeit der Gelehrten. Im Jahr 1745 warnt Abbé Porée vor dem Gestank der Gräber in den Kirchen ..."

Seit Abbé Porée 1745 in seinem ... Buch gegen die Bestattungen in Kirchen protestiert hat, ekelt man sich vor der stinkenden Luft in Gotteshäusern. Die Angriffe richten sich gegen undichte Gruften und feuchte, durchlässige Grabgewölbe. Voltaire empört sich ebenso über diese unzumutbaren Verhältnisse wie später Vicq d'Azyr."

"Anfang des Jahres 1773 wird in Dijon der Entschluß gefaßt, die in den Gruften der Kirche Saint-Étienne bestatteten Toten an einen anderen Ort zu verlegen. Der Gestank bei der Exhumierung ist so gewaltig, daß alle Versuche, ihm entgegenzuwirken, fehlschlagen."

Alain Corbin, Pesthauch und Blütenduft, Berlin 2005, S. 44.76.140

Unannehmbare Bilder

"Picasso soll einmal zu Malraux gesagt haben, man müsse die Leute aus dem Schlaf reißen, ihre Art, die Dinge zu identifizieren, umkrempeln. Man müsse unannehmbare Bilder schaffen, damit sie schäumten. Man müsse sie zwingen einzusehen, daß sie in einer verrückten Welt lebten. Eine Welt ohne Sicherheit, die nicht so sei, wie sie glaubten".

Gerhard Meier, Toteninsel, Frankfurt 2007, S. 128

01 August 2007

Heft 48 von tà katoptrizómena ist erschienen!

Heft 48 des Magazins für Kunst | Kultur | Theologie | Ästhetik trägt den Titel

Documenta & Co

Es enthält folgende Beiträge:


VIEW

Skulptur Projekte Münster
Renaturing
Karin Wendt

Die documenta XII
Impressionen
Andreas Mertin

Das unbekannte Meisterwerk
Im Zentrum der documenta
Andreas Mertin

Glucky Bach
Eine Arbeit von Artur Žmijewski
Andreas Mertin

RE:VIEW

Von Ewigkeit zu Ewigkeit
Ein Projektfinale
Andreas Mertin

Deutung - Kunst - Inszenierung
Buchvorstellungen
Andreas Mertin

Bestreitungen
Zeitgenössische Kunst im reformierten Kirchenraum I
Andreas Mertin

POST

Entdecken – Erleben - Zeichnen
Exkursion in die ewige Stadt
Henner Herrmanns

Wiedergänger
Zeitgenössische Kunst im reformierten Kirchenraum II
Andreas Mertin

Blackbox

24 Juli 2007

Kristus Yoshiyuki

Kristus Yoshiyuki nennt der Medienkünstler Markus Kleine-Vehn sein jüngstes Projekt: ein virtuelles Schöpfer-Geschöpf, dessen auto-poetische Entwicklung seit Anfang 2006 in einem Weblog festgehalten wird. Im ersten Eintrag hat sich der Avatar selbst vorgestellt: „Durch mich gebiert das Netz die Kunst aus sich selbst heraus. Nicht schlicht reproduktiver Natur, repräsentiere ich vielmehr die kontinuierliche Evolution des Wortes, das sich Bahn brechen will aus der Gefangenschaft gestalterischer Experimente in die Freiheit des öffentlichen Raums. Vielleicht bald schon befreit aus den Fängen nackter Funktionalität, wird sich meine wahre Bestimmung in der Entwicklung eines freien Bewusstseins offenbaren.“

11 Juli 2007

VISION | AUDITION: Sigalit und Daniel Landau



Eine der beeindruckenden Arbeiten auf der kirchlichen Begleitausstellung zur documenta 12: Die Arbeit "Eye Drum" von Sigalit und Daniel Landau" ausgestellt in der Martinskirche Kassel.

10 Juli 2007

24 Juni 2007

VISION | AUDITION: Julia Oschatz

Heritage - Hermitage
Martinskirche Kassel

... und hier ein Exzerpt aus einer früheren Arbeit:

VISION | AUDITION: Yves Netzhammer

Die Subjektivierung der Wiederholung - Projekt B
Karlskirche Kassel

documenta unter Wasser

Im Aue-Pavillon während des Regensturms.


documenta bewegt

13 Juni 2007

Einladung VISION | AUDITION

MARTINSKIRCHE KASSEL 17. Juni 2007 - 10:00 Uhr
Festgottesdienst
Predigt : Bischof Prof. Dr. Martin Hein
Einführung : Kurator Dr. h.c. Andreas Mertin, Hagen

KARLSKIRCHE KASSEL 17. Juni 2007 - 16:00 Uhr
Ausstellungseröffnung
Festvortrag Kurator Dr. h.c. Andreas Mertin, Hagen
Eröffnung Bischof Prof. Dr. Martin Hein

KÜNSTLER
Patrycja German, Sigalit Landau, Julia Oschatz, Jay Schwartz
und Yves Netzhammer.

[Karte ...] [Infos ...] [Texte ...]